Immer mehr Unternehmen, Kommunen und Organisationen wollen ihre Nachhaltigkeitsleistungen transparent machen – ohne gleich den vollen Umfang der CSRD-Berichtspflicht schultern zu müssen. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) bietet dafür einen strukturierten, freiwilligen Rahmen mit überschaubarem Aufwand. Dieser Ratgeber zeigt, wie eine DNK-Entsprechenserklärung entsteht und worauf es dabei ankommt.
Was ist der Deutsche Nachhaltigkeitskodex?
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex wurde 2011 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ins Leben gerufen. Er definiert 20 Kriterien, anhand derer Organisationen ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten offenlegen. Das Prinzip lautet comply or explain: Entweder berichtet ein Unternehmen zu einem Kriterium oder es begründet, warum es das (noch) nicht tut.
Gut zu wissen: Über 1.000 Organisationen haben bisher eine DNK-Erklärung veröffentlicht – von Dax-Konzernen bis hin zu Handwerksbetrieben und Kommunen. Die Nutzung der DNK-Plattform ist kostenlos.
Anders als die verpflichtende CSRD-Berichterstattung richtet sich der DNK gezielt an Organisationen, die freiwillig Transparenz schaffen wollen. Die Erklärung wird auf der öffentlichen DNK-Datenbank veröffentlicht und ist dort für Geschäftspartner, Kunden und die interessierte Öffentlichkeit einsehbar.
Die 20 Kriterien im Überblick
Die 20 Kriterien des DNK sind in vier thematische Bereiche gegliedert. Jeder Bereich deckt zentrale Aspekte unternehmerischer Nachhaltigkeit ab – von der strategischen Ausrichtung bis hin zu gesellschaftlicher Verantwortung.
| Nr. | Kriterium | Bereich |
|---|---|---|
| 1 | Strategische Analyse und Maßnahmen | Strategie |
| 2 | Wesentlichkeit | Strategie |
| 3 | Ziele | Strategie |
| 4 | Tiefe der Wertschöpfungskette | Strategie |
| 5 | Verantwortung | Prozessmanagement |
| 6 | Regeln und Prozesse | Prozessmanagement |
| 7 | Kontrolle | Prozessmanagement |
| 8 | Anreizsysteme | Prozessmanagement |
| 9 | Beteiligung von Anspruchsgruppen | Prozessmanagement |
| 10 | Innovations- und Produktmanagement | Prozessmanagement |
| 11 | Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen | Umwelt |
| 12 | Ressourcenmanagement | Umwelt |
| 13 | Klimarelevante Emissionen | Umwelt |
| 14 | Arbeitnehmerrechte | Gesellschaft |
| 15 | Chancengerechtigkeit | Gesellschaft |
| 16 | Qualifizierung | Gesellschaft |
| 17 | Menschenrechte | Gesellschaft |
| 18 | Gemeinwesen | Gesellschaft |
| 19 | Politische Einflussnahme | Gesellschaft |
| 20 | Gesetzes- und richtlinienkonformes Verhalten | Gesellschaft |
Zu jedem Kriterium wird eine textliche Beschreibung erwartet, die das eigene Vorgehen erläutert. Ergänzt werden die Texte durch quantitative Leistungsindikatoren.
Leistungsindikatoren: GRI oder EFFAS
Neben den 20 Textkriterien verlangt der DNK ergänzende quantitative Kennzahlen. Dafür stehen zwei Indikatorensets zur Wahl:
- GRI SRS (Sustainability Reporting Standards): 28 Indikatoren, international etabliert und weit verbreitet. Beispiele sind Energieverbrauch (GRI 302), Treibhausgasemissionen (GRI 305) oder Arbeitnehmerbelange (GRI 401–405).
- EFFAS (European Federation of Financial Analysts Societies): 16 Indikatoren mit stärkerem Fokus auf finanzielle Wesentlichkeit und Kapitalmarktrelevanz. Geeignet für Organisationen, die Investoren und Finanzpartner ansprechen möchten.
Empfehlung: Die meisten Unternehmen entscheiden sich für GRI SRS, da diese Indikatoren international anschlussfähig sind und auch bei einer späteren CSRD-Berichterstattung eine gute Grundlage bieten. Wichtig ist, ein Set zu wählen und konsequent beizubehalten.
Beide Indikatorensets sind in die DNK-Plattform integriert. Die Plattform führt Schritt für Schritt durch die einzelnen Kennzahlen und stellt Erläuterungen sowie Ausfüllhinweise bereit.
DNK-Erklärung erstellen in 5 Schritten
Der Weg von der ersten Idee bis zur veröffentlichten DNK-Entsprechenserklärung lässt sich in fünf Phasen gliedern:
1. Status quo prüfen und Team aufsetzen
Am Anfang steht die Bestandsaufnahme: Welche Nachhaltigkeitsthemen sind für die eigene Organisation relevant? Welche Daten liegen bereits vor? Benennen Sie eine verantwortliche Person oder ein kleines Projektteam, das den Prozess koordiniert. Idealerweise sind Geschäftsführung, Controlling und operative Bereiche eingebunden.
2. Daten sammeln und Indikatoren wählen
Tragen Sie vorhandene Informationen zusammen – Energieverbräuche, Personalzahlen, Lieferantendaten, bestehende Leitlinien. Entscheiden Sie sich für eines der beiden Indikatorensets (GRI SRS oder EFFAS) und identifizieren Sie Datenlücken frühzeitig.
3. Profil anlegen und Erklärung verfassen
Registrieren Sie sich kostenlos auf der DNK-Plattform und legen Sie ein Organisationsprofil an. Anschließend verfassen Sie die Texte zu den 20 Kriterien und befüllen die Leistungsindikatoren. Die Plattform bietet Leitfragen und Beispiele anderer Organisationen als Orientierungshilfe.
4. Formelle Prüfung durch das DNK-Büro
Nach dem Einreichen überprüft das DNK-Büro die Erklärung auf formale Vollständigkeit. Es handelt sich dabei nicht um eine inhaltliche Auditierung, sondern um eine Plausibilitätskontrolle: Sind alle Kriterien bearbeitet? Sind die Indikatoren plausibel ausgefüllt? Gibt es offensichtliche Lücken?
5. Veröffentlichung
Nach erfolgreicher Prüfung wird die DNK-Erklärung in der öffentlichen Datenbank freigeschaltet. Sie kann anschließend als Nachweis gegenüber Kunden, Lieferanten und Finanzpartnern genutzt werden. Viele Organisationen veröffentlichen die Erklärung zusätzlich auf ihrer eigenen Website.
Tipp: Der gesamte Prozess dauert je nach Datenverfügbarkeit und Organisationsgröße zwischen vier Wochen und drei Monaten. Weitere Informationen finden Sie beim Rat für Nachhaltige Entwicklung.
Für wen eignet sich der DNK?
Der DNK ist bewusst breit angelegt und eignet sich für unterschiedlichste Organisationstypen:
- Kleine und mittlere Unternehmen (KMU): Der DNK bietet einen strukturierten Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung ohne die Komplexität der ESRS-Standards.
- Nicht-CSRD-pflichtige Unternehmen: Wer unterhalb der CSRD-Schwellenwerte liegt, kann mit dem DNK trotzdem Transparenz schaffen und sich auf künftige Anforderungen vorbereiten.
- Kommunen und öffentliche Einrichtungen: Für den öffentlichen Sektor gibt es einen eigenen Leitfaden mit branchenspezifischen Ausfüllhinweisen.
- Handwerksbetriebe und Stiftungen: Auch für diese Organisationsformen existieren angepasste Branchenleitfäden, die den Einstieg erleichtern.
Eine besondere Rolle spielen die sogenannten DNK-Lotsen – geschulte Beraterinnen und Berater, die Organisationen beim Erstellen ihrer ersten DNK-Erklärung unterstützen. Auch wetando begleitet Unternehmen und Organisationen beim gesamten DNK-Prozess – von der Bestandsaufnahme bis zur Veröffentlichung. Die Beratung ist in vielen Fällen über Förderprogramme des Bundes und der Länder förderfähig.
DNK und CSRD: Wie hängt das zusammen?
Mit dem Inkrafttreten der EU-weiten CSRD-Berichtspflicht hat sich die Rolle des DNK verändert. Er versteht sich zunehmend als Unterstützungsinstrument für die Vorbereitung auf CSRD und ESRS. Seit 2025 wurde die DNK-Plattform grundlegend überarbeitet und um neue Module erweitert:
- ESRS-Module: Die neue Plattform bildet die European Sustainability Reporting Standards in vereinfachter Form ab. Unternehmen, die bereits DNK-Erklärungen erstellt haben, können ihre bestehenden Texte und Daten in das ESRS-Format überführen.
- VSME-Modul: Für KMU, die den Voluntary Standard for non-listed SMEs nutzen wollen, steht ein eigenes Modul bereit. Es überführt die DNK-Logik in die Struktur des VSME-Standards.
- Brücke zur Pflichtberichterstattung: Wer mit dem DNK beginnt, legt eine solide Datengrundlage und entwickelt interne Prozesse, die bei einer späteren CSRD-Pflicht direkt weitergenutzt werden können.
Einordnung: Der DNK ersetzt keine CSRD-Berichterstattung. Er ist jedoch ein anerkannter erster Schritt, der den Einstieg in strukturierte Nachhaltigkeitstransparenz erheblich vereinfacht – und mit den neuen Modulen einen fließenden Übergang ermöglicht.
Fazit
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex bleibt auch 2026 ein relevantes Instrument – gerade für Organisationen, die freiwillig Transparenz zeigen und sich systematisch auf kommende Berichtspflichten vorbereiten wollen. Der Aufwand ist überschaubar, die Plattform kostenlos und die Unterstützung durch DNK-Lotsen praxisnah.
Entscheidend ist, den Prozess als Lernreise zu verstehen: Die erste Erklärung muss nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass die Organisation beginnt, Nachhaltigkeitsthemen strukturiert zu erfassen, Kennzahlen zu erheben und intern über Ziele und Maßnahmen zu sprechen. Mit jeder Folgeberichterstattung wächst die Qualität – und mit ihr die Glaubwürdigkeit gegenüber Stakeholdern.
Quellen
- Deutscher Nachhaltigkeitskodex – Offizielle Plattform
- Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE)
- Global Reporting Initiative (GRI)
- EU-Richtlinie 2022/2464 (Corporate Sustainability Reporting Directive)
- EFRAG: VSME – Voluntary Standard for non-listed SMEs (Exposure Draft)
