Immer mehr Unternehmen werden von ihren Kunden, Investoren oder Geschäftspartnern aufgefordert, ein EcoVadis-Rating vorzulegen. Die Plattform hat sich als internationaler Standard für die Bewertung unternehmerischer Nachhaltigkeit etabliert – und ein gutes Rating kann über Auftragsvergaben entscheiden. Doch wie funktioniert die Bewertung genau, und welche Hebel gibt es, um den eigenen Score gezielt zu verbessern?
Was ist EcoVadis?
EcoVadis ist eine 2007 in Paris gegründete Bewertungsplattform, die Unternehmen weltweit nach ihrer Nachhaltigkeitsleistung einstuft. Mit über 130.000 bewerteten Unternehmen in mehr als 180 Ländern ist EcoVadis die größte und am weitesten verbreitete Nachhaltigkeitsbewertung für Lieferketten. Die Methodik stützt sich auf internationale Standards wie die Global Reporting Initiative (GRI), den UN Global Compact und die ISO 26000.
Wichtig: EcoVadis ist keine Zertifizierung im klassischen Sinne, sondern ein evidenzbasiertes Rating. Es gibt kein „bestanden“ oder „nicht bestanden“ – stattdessen erhalten Unternehmen einen Score von 0 bis 100 und werden mit ihrer Branche verglichen.
Die Bewertung deckt vier zentrale Nachhaltigkeitsthemen ab und berücksichtigt branchenspezifische Risiken und Regulierungen. Weitere Informationen finden Sie direkt bei ecovadis.com.
Die vier Bewertungsthemen
Jedes EcoVadis-Rating bewertet Unternehmen anhand von vier Themenbereichen. Die Gewichtung variiert je nach Branche, Größe und Standort des Unternehmens:
- Umwelt – Energieverbrauch, Emissionen, Wassernutzung, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und Produktlebenszyklusmanagement
- Arbeits- und Menschenrechte – Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Sicherheit, sozialer Dialog, Karriereentwicklung, Kinderarbeit und Zwangsarbeit
- Ethik – Korruption, Wettbewerbsverhalten, verantwortungsvolles Informationsmanagement und Datenschutz
- Nachhaltige Beschaffung – Lieferantenpraktiken, Umwelt- und Sozialstandards in der Lieferkette, Integration von Nachhaltigkeitskriterien in Einkaufsprozesse
In jedem Thema prüfen die EcoVadis-Analysten drei Dimensionen: Policies (vorhandene Richtlinien und Grundsätze), Actions (konkret umgesetzte Maßnahmen) und Results (messbare Ergebnisse und KPIs). Unternehmen, die nur Richtlinien vorweisen, aber keine konkreten Maßnahmen oder Ergebnisse belegen können, erhalten entsprechend niedrigere Scores.
Medal-Stufen und Scores
EcoVadis vergibt Medaillen auf Basis eines Perzentil-Rankings. Die Schwellenwerte sind dynamisch und verschieben sich, wenn das Gesamtniveau der bewerteten Unternehmen steigt:
| Medaille | Perzentil | Richtwert Score |
|---|---|---|
| Platinum | Top 1 % | ca. 78+ |
| Gold | Top 5 % | ca. 70+ |
| Silver | Top 15 % | ca. 59+ |
| Bronze | Top 35 % | ca. 50+ |
Achtung: Unternehmen, die in einem der vier Themenbereiche unter 30 Punkte fallen, erhalten unabhängig vom Gesamtscore keine Medaille. Eine ausgewogene Leistung über alle Bereiche hinweg ist daher entscheidend.
Der Bewertungsprozess im Überblick
Der EcoVadis-Bewertungsprozess folgt einem strukturierten Ablauf, der je nach Unternehmensgröße und Vorbereitungsgrad zwischen drei und neun Monaten dauern kann:
- Registrierung und Abo-Auswahl – Das Unternehmen registriert sich auf der EcoVadis-Plattform und wählt ein passendes Abonnement.
- Fragebogen ausfüllen – EcoVadis generiert einen branchenspezifisch angepassten Fragebogen. Dieser umfasst Fragen zu allen vier Themenbereichen, ergänzt um branchenspezifische Zusatzfragen.
- Dokumente hochladen – Unternehmen können bis zu 55 Dokumente als Nachweise hochladen: Richtlinien, Zertifikate, Berichte, Auditprotokolle und KPI-Dashboards.
- Analysten-Bewertung und 360° Watch – Ein geschultes Analystenteam prüft alle eingereichten Unterlagen. Parallel werden öffentlich verfügbare Informationen über das Unternehmen ausgewertet (360° Watch – z. B. Medienberichte, NGO-Meldungen, Sanktionslisten).
- Scorecard und Ergebnis – Das Unternehmen erhält eine detaillierte Scorecard mit Einzelergebnissen pro Thema, Stärken-/Schwächen-Analyse und Verbesserungsempfehlungen.
- Gültigkeitsdauer – Das Rating ist 12 Monate gültig, danach wird eine Neubewertung fällig.
5 Tipps zur gezielten Verbesserung Ihres EcoVadis-Ratings
Tipp 1: Maßnahmen sichtbar dokumentieren
Der häufigste Grund für einen niedrigen Score ist nicht das Fehlen von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, sondern deren mangelhafte Dokumentation. EcoVadis bewertet ausschließlich das, was nachweisbar eingereicht wird. Es genügt nicht, eine allgemeine Nachhaltigkeitsrichtlinie hochzuladen – entscheidend sind konkrete Belege für die Umsetzung:
- Interne Auditberichte und deren Ergebnisse
- Dokumentierte KPIs mit Zeitreihen (z. B. Energieverbrauch pro Mitarbeiter über drei Jahre)
- Schulungsnachweise mit Teilnehmerzahlen und Inhalten
- Protokolle von Managementreviews zum Thema Nachhaltigkeit
Tipp 2: Messbare Ziele setzen
Unternehmen mit quantifizierten Zielen schneiden in der Bewertung deutlich besser ab als solche mit vagen Absichtserklärungen. Formulieren Sie Ihre Nachhaltigkeitsziele nach dem SMART-Prinzip – spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und terminiert. Statt „Wir wollen unsere Emissionen reduzieren“ sollte es heißen: „Wir reduzieren unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis 2028 um 30 % gegenüber dem Basisjahr 2023.“
Tipp 3: Reporting professionalisieren
Ihre Nachhaltigkeitsdaten sollten aktuell, umfassend und methodisch fundiert sein. Konkret bedeutet das:
- Daten nicht älter als zwei Jahre zum Zeitpunkt der Einreichung
- Abdeckung von mindestens 80 % der Unternehmensstandorte und -aktivitäten
- Orientierung an anerkannten Frameworks wie GRI, CDP oder dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK)
- Klare Darstellung der Berechnungsmethodik, insbesondere bei CO₂-Bilanzen
Tipp 4: Schwächen zuerst angehen
Analysieren Sie Ihre vorherige Scorecard sorgfältig. EcoVadis gewichtet die vier Themenbereiche branchenspezifisch – und ein einzelnes schwaches Thema kann den Gesamtscore überproportional drücken. Investieren Sie Ihre Ressourcen gezielt dort, wo der größte Hebel liegt. Häufig bringen Verbesserungen im schwächsten Themenbereich mehr Punkte als weitere Optimierungen in bereits starken Bereichen.
Tipp 5: Externe Zertifizierungen nutzen
Anerkannte Zertifizierungen und externe Audits stärken Ihr Rating erheblich, weil sie unabhängige Validierung bieten. Besonders wertvoll sind:
- ISO 14001 (Umweltmanagementsystem)
- ISO 45001 (Arbeitsschutzmanagement)
- SA8000 (Sozialstandard) oder vergleichbare Sozialaudits
- Third-Party-Audits durch anerkannte Prüfgesellschaften
- Externe Verifizierung Ihrer CO₂-Bilanz
Praxistipp: Laden Sie Ihre Zertifikate als einzelne PDF-Dokumente hoch und benennen Sie die Dateien eindeutig (z. B. „ISO-14001-Zertifikat-2025.pdf“). So finden die Analysten die relevanten Nachweise schnell und können sie den richtigen Themenbereichen zuordnen.
Häufige Fehler vermeiden
Bei der EcoVadis-Bewertung gibt es typische Stolperfallen, die Unternehmen immer wieder Punkte kosten:
- Richtlinien ohne Umsetzungsbelege hochladen – Policies allein genügen nicht. Ohne dokumentierte Maßnahmen und Ergebnisse bleiben die Punkte im Bereich „Actions“ und „Results“ auf einem niedrigen Niveau.
- Veraltete Daten einreichen – Berichte und Kennzahlen, die älter als zwei Jahre sind, werden von den Analysten kritisch bewertet oder nicht berücksichtigt.
- Keine ESG-Governance-Struktur – Unternehmen ohne klar benannte Verantwortlichkeiten für Nachhaltigkeitsthemen (z. B. CSR-Beauftragte, Nachhaltigkeitsausschuss) verlieren Punkte in der Bewertung der Managementstruktur.
- Lieferantenbewertung vernachlässigen – Im Thema „Nachhaltige Beschaffung“ wird erwartet, dass Unternehmen ihre Lieferanten nach ESG-Kriterien bewerten und bei Auffälligkeiten Maßnahmen ergreifen.
- Feedback der Vorjahresbewertung ignorieren – EcoVadis gibt in der Scorecard konkrete Verbesserungshinweise. Unternehmen, die diese im Folgejahr nachweislich umsetzen, werden dafür belohnt.
Fazit
Ein gutes EcoVadis-Rating entsteht nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis systematischer Nachhaltigkeitsarbeit und professioneller Dokumentation. Der Schlüssel liegt darin, nicht nur Richtlinien vorzuweisen, sondern deren Umsetzung und Wirkung nachweisbar zu belegen. Unternehmen, die ihre Schwächen gezielt angehen, messbare Ziele formulieren und externe Validierungen nutzen, können ihren Score deutlich steigern – oft bereits im nächsten Bewertungszyklus.
wetando unterstützt Unternehmen bei der gezielten Vorbereitung auf das EcoVadis-Rating – von der Analyse der Vorjahres-Scorecard über die Dokumentenaufbereitung bis zur strategischen Maßnahmenplanung. Gerne erstellen wir Ihnen ein unverbindliches Beratungsangebot. Die Beratung ist in vielen Fällen über Förderprogramme des Bundes und der Länder förderfähig. Jetzt Erstgespräch vereinbaren.
