DNK, VSME oder GRI: Welcher Rahmen passt zum Krematorium
Für Krematorien hat der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) einen besonderen Vorteil: Es gibt einen Branchenleitfaden Humankrematorien nach DNK, herausgegeben vom Bundesverband Bestattungsbedarf mit seiner Fachgruppe Krematorien. Er übersetzt die 20 Kriterien des ursprünglichen DNK und die zugehörigen Leistungsindikatoren nach GRI SRS oder EFFAS auf die Feuerbestattung – von Energieeinsparpotenzialen über Treibhausgasemissionen bis zu Arbeitnehmerrechten und Chancengerechtigkeit. Seit 2025 hat der DNK seinen ursprünglichen Berichtsstandard durch ein Unterstützungsangebot ersetzt: Freiwillige Berichte entstehen über die DNK-Plattform mit einem VSME-Modul, können seit 2026 einen Plausibilitätscheck durch DNK-Prüfer durchlaufen und auf der Plattform veröffentlicht werden. Der Branchenleitfaden bleibt dabei als Themenraster wertvoll. Krematorien auf der Informations- und Berichtsplattform nachhaltige-krematorien.de berichten nach diesem Rahmen.
| Kriterium | DNK | VSME | GRI |
|---|---|---|---|
| Zielgruppe | Kommune, Kirchen, Öffentlichkeit, Angehörige | Lieferantenanfragen großer Konzerne, Banken | Gruppen mit mehreren Standorten, internationale Eigentümer |
| Umfang | VSME-Modul der DNK-Plattform, Branchenleitfaden als Themenraster; ca. 20–40 Seiten | Basismodul 11 Angaben, umfassendes Modul zusätzlich | Universal Standards plus Themenstandards, 50+ Seiten |
| Branchenbezug | Branchenleitfaden Humankrematorien (für den ursprünglichen DNK) vorhanden | kein Branchenbezug, Sektorzuordnung über NACE 96.03 | kein Sektorstandard für Bestattung |
| Veröffentlichung | DNK-Plattform, öffentlich | eigene Website oder auf Anfrage | eigene Website, GRI-Index |
| Aufwand erster Bericht | 15–25 Beratertage plus 5–8 Tage intern | 8–15 Beratertage plus 3–5 Tage intern | 30+ Beratertage |
| Prüfung | freiwilliger Plausibilitätscheck durch DNK-Prüfer | keine | optional externe Assurance |
Unsere Empfehlung: Kommunale Krematorien und private Betreiber mit regionalem Einzugsgebiet berichten nach DNK, weil Kommunen und Kirchen den Kodex kennen und die Veröffentlichung Glaubwürdigkeit schafft. Krematorien, die vor allem Fragebögen von Krankenhausverbünden, Pflegekonzernen oder Bestattungsgruppen beantworten müssen, profitieren davon, dass der DNK-Bericht heute auf VSME aufsetzt – dieselbe Datenbasis bedient beide Zwecke. GRI lohnt sich nur für Betreibergruppen mit mehreren Anlagen.
Pflichtkennzahlen: Was in den Nachhaltigkeitsbericht eines Krematoriums gehört
Der Branchenleitfaden und die Erwartungen der Stakeholder ergeben einen Kern von Kennzahlen, die in keinem Krematoriumsbericht fehlen sollten. Entscheidend ist die Bezugsgröße: Alle Umweltkennzahlen werden sowohl absolut als auch je Kremation ausgewiesen, weil nur die spezifische Kennzahl Vergleiche zwischen Anlagen und Jahren erlaubt.
- Anzahl Einäscherungen im Berichtsjahr, Anzahl Ofenlinien, Baujahr und Brennstoff je Linie.
- Energieverbrauch gesamt und je Kremation, getrennt nach Erdgas, Biomethan, Strom, mit Anteil erneuerbarer Energie und Herkunftsnachweisen.
- Treibhausgasemissionen Scope 1 und 2 (standort- und marktbasiert) absolut und je Kremation; Scope 3 mindestens für Sarg, Urne, Adsorbentien und Entsorgung; biogenes CO₂ getrennt.
- Emissionsmesswerte nach 27. BImSchV: CO, Staub, Gesamtkohlenstoff, Dioxine im Vergleich zu den Grenzwerten 50 / 10 / 20 mg/m³ und 0,1 ng/m³; Filtertechnik und Quecksilberabscheidung mit Wechselintervallen der Adsorbentien.
- Abwärme: erzeugte, intern genutzte und an Dritte gelieferte Wärmemenge in MWh; Status der Meldung an die Plattform für Abwärme.
- Abfall: Filterstäube und beladene Adsorbentien als gefährlicher Abfall in Tonnen, Entsorgungsweg; Metallrückstände in Kilogramm, Verwertungsweg, Erlöse und deren Verwendung, Zustimmungspraxis.
- Wasser: Verbrauch für Rauchgaskühlung und Gebäude, soweit relevant.
- Soziales: Mitarbeitende nach Funktion, Schichtmodell, Krankheitstage, Fluktuation, Qualifizierung, Angebote zur psychischen Entlastung, Arbeitsunfälle.
- Pietät und Qualität: durchschnittliche Wartezeit zwischen Anlieferung und Einäscherung, Verfahren der Identitätssicherung, Beschwerden und deren Bearbeitung, Gütezeichen (RAL, „Kontrolliertes Krematorium“).
- Governance: Zuständigkeiten für Nachhaltigkeit, Umgang mit Interessenkonflikten, Compliance bei Metallverwertung nach BFH IX R 29/24, Mitgliedschaften in Verbänden.
Aufbau eines Krematoriumsberichts
- 01
Vorwort und Geschäftsmodell
Rechtsform, Träger, Einzugsgebiet, Anzahl Einäscherungen, Rolle im regionalen Bestattungswesen. Zwei Seiten, ohne Superlative.
- 02
Strategie und Wesentlichkeit
Ergebnis der Wesentlichkeitsanalyse, Ziele mit Jahreszahl (zum Beispiel spezifischer Energieverbrauch, Anteil Biomethan, Abwärmelieferung), Verantwortlichkeiten.
- 03
Umwelt
Energie, Emissionen, Abgasreinigung, Abwärme, Abfall und Metallrückstände, Wasser – jeweils mit Kennzahl, Vergleich zum Vorjahr und Einordnung in Branchenspannen.
- 04
Soziales
Mitarbeitende, Arbeitsschutz, Pietät und Qualität gegenüber Angehörigen und Bestattern, Nachbarschaft, gesellschaftliches Engagement.
- 05
Governance und Compliance
Rechtliche Anforderungen (27. BImSchV, Bestattungsgesetz, EnEfG, Steuern), Risikomanagement, Verbandsmitgliedschaften, Ethikkodex.
- 06
Kennzahlentabelle und DNK-Index
Alle Zahlen auf zwei Seiten, Zuordnung zu den VSME-Angaben und den Themen des Branchenleitfadens, Methodikhinweise mit Emissionsfaktoren und Quellen.
Neben dem vollständigen Bericht empfehlen wir für Krematorien eine zweiseitige Kurzfassung mit den vier Angaben, die Bestatter in ihrer Beratung tatsächlich verwenden: CO₂ je Einäscherung, Brennstoff und Anteil erneuerbarer Energie, durchschnittliche Wartezeit sowie der Umgang mit Metallrückständen. Sie wird häufiger gelesen als der Bericht selbst und muss deshalb dieselben Zahlen enthalten – mit Verweis auf den vollständigen DNK-Bericht als Quelle.
Zeitplan: Vom Kick-off zum veröffentlichten DNK-Bericht
Ein erster DNK-Bericht für ein Krematorium mit einer bis drei Ofenlinien dauert in unseren Projekten vier bis sechs Monate. Der beste Startzeitpunkt ist das zweite Quartal: Der Jahresbericht über die kontinuierlichen Messungen nach 27. BImSchV für das Vorjahr liegt bis Ende März vor, die Jahresabrechnungen von Gas- und Stromlieferant ebenfalls. Monat eins dient der Datensammlung und der Wesentlichkeitsanalyse, Monat zwei und drei der CO₂-Bilanz und den Interviews, Monat vier dem Schreiben, Monat fünf der internen Abstimmung mit Werkausschuss oder Gesellschaftern sowie dem Plausibilitätscheck und der Veröffentlichung auf der DNK-Plattform. Ab dem zweiten Jahr halbiert sich der Aufwand, weil Struktur, Datenquellen und Faktoren stehen. Wie der Bericht in der Praxis entstand und was er bewirkt hat, zeigt das Praxisbeispiel.
Veröffentlichung über nachhaltige-krematorien.de
Krematorien, die nach DNK berichten, können ihren Bericht zusätzlich auf der von wetando betriebenen Informations- und Berichtsplattform nachhaltige-krematorien.de listen lassen. Die Plattform vergibt kein Zertifikat, sie macht Berichte und Kennzahlen für Bestatter, Kommunen und Angehörige vergleichbar auffindbar.
Ihr erster Nachhaltigkeitsbericht
Wir begleiten Ihr Krematorium von der Datensammlung bis zur Veröffentlichung auf der DNK-Plattform – mit Branchenleitfaden, Kennzahlenset und einem Zeitplan, der zu Ihrem Messbericht passt.
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