Musterfall
Dieser Fall ist aus typischen Projektverläufen der Branche zusammengesetzt und beschreibt kein einzelnes Kundenprojekt. Zahlen sind Spannen aus der Praxis, keine Werte eines bestimmten Betriebs.
Ausgangslage: Ein privates Krematorium zwischen Bestattern, Kommune und Finanzamt
Das Krematorium betreibt mehrere Ofenlinien mit Erdgas und Flugstromfilter und führt im Jahr eine Zahl von Einäscherungen durch, die in der Branche für mittelgroße Anlagen typisch ist, also im Bereich mehrerer tausend. Der Betrieb liefert an Dutzende Bestattungsunternehmen in einem Radius von rund 100 Kilometern. Drei Impulse kamen innerhalb weniger Monate zusammen: Ein großes Bestattungsunternehmen fragte nach dem CO₂-Wert je Einäscherung für seine eigene Kundenkommunikation; die Standortkommune bat im Rahmen ihrer Wärmeplanung um Angaben zur Abwärme; und das beim Bundesfinanzhof anhängige Revisionsverfahren IX R 29/24 ließ die bisherige Praxis der Metallverwertung steuerlich fraglich erscheinen – das Urteil vom 14. Juli 2026 hat diese Einschätzung bestätigt. Die Geschäftsführung wollte alle drei Themen in einem Vorgang klären und zugleich einen Bericht erhalten, der gegenüber Bestattern und Kommune verwendbar ist.
Vorhanden waren: Messberichte nach 27. BImSchV der letzten Jahre, Jahresabrechnungen des Gasversorgers, ein Kremationsregister mit Tagesgenauigkeit, Wartungsprotokolle des Ofenherstellers und Lieferscheine der Scheideanstalt. Nicht vorhanden waren: Zählerstände je Ofenlinie, eine Zuordnung des Stromverbrauchs auf Filter, Kühlung und Gebäude, dokumentierte Emissionsfaktoren und eine schriftliche Regelung, wie die Zustimmung der Angehörigen zur Metallverwertung eingeholt wird. Diese Lücken sind in der Branche die Regel, nicht die Ausnahme.
Vorgehen in fünf Monaten
- 01
Monat 1 – Daten und Wesentlichkeit
Installation von Zwischenzählern je Ofenlinie, Auswertung von 36 Monaten Gasabrechnung gegen das Kremationsregister. Halbtägiger Wesentlichkeitsworkshop mit Geschäftsführung, Betriebsleitung und zwei Kremationstechnikern. Sechs Kurzinterviews mit Bestattern, Kommune und einem kirchlichen Friedhofsträger.
- 02
Monat 2 – CO₂-Bilanz
Bilanz nach GHG Protocol mit Umweltbundesamt-Faktoren für Erdgas und Strom, GEMIS für Vorketten, Herstellerangaben für Särge und Urnen. Ergebnis: Scope 1 im branchentypischen Bereich von 50 bis 100 kg CO₂ je Kremation, Scope 3 bei 10 bis 20 % der Gesamtbilanz.
- 03
Monat 3 – Maßnahmen und Metallrückstände
Maßnahmenliste mit Wirtschaftlichkeit: Schichtbündelung, Brennerregelung, Prüfung einer Wärmelieferung an einen Nachbarn, Biomethan-Option für Bestatter. Parallel Prüfung der Metallverwertung mit dem Steuerberater: Dokumentation der Entnahme, Vorbereitung einer verbindlichen Auskunft nach § 89 AO, schriftliches Zustimmungsverfahren mit den Bestattern.
- 04
Monat 4 – Berichtsentwurf
DNK-Bericht entlang des Branchenleitfadens Humankrematorien, Kennzahlentabelle absolut und je Kremation, Kurzfassung für Bestatter auf zwei Seiten.
- 05
Monat 5 – Abstimmung und Veröffentlichung
Abstimmung mit Gesellschaftern, Plausibilitätscheck und Veröffentlichung auf der DNK-Plattform sowie Listung auf der Informations- und Berichtsplattform nachhaltige-krematorien.de.
Hürden, die in fast jedem Krematorium auftreten
- Aufheizverluste waren unsichtbar: Erst die Monatsauswertung zeigte, dass der spezifische Verbrauch in Monaten mit geringer Auslastung um 30 bis 50 % über dem Jahresmittel lag. Die Schichtbündelung wurde dadurch zur ersten Maßnahme.
- Stromzuordnung: Ohne Zwischenzähler ließ sich nicht sagen, ob Filteranlage oder Kühlzellen den Strom verbrauchen. Die Nachrüstung kostete einen niedrigen vierstelligen Betrag und ist Voraussetzung für die Meldung nach Energieeffizienzgesetz.
- Metallrückstände: Die ethische Frage (Zustimmung der Angehörigen) und die steuerliche Frage (Betriebseinnahme) mussten getrennt beantwortet, aber gemeinsam kommuniziert werden. Die Lösung war ein schriftliches Verfahren über die Bestatter und ein transparenter Ausweis der Erlöse und ihrer Verwendung im Bericht.
- Bestatter wollten keine 40 Seiten lesen: Die zweiseitige Kurzfassung mit CO₂ je Einäscherung, Brennstoff, Wartezeit und Metallpraxis wurde das meistgenutzte Dokument.
- Wärmelieferung: Der nächste geeignete Abnehmer lag mehrere hundert Meter entfernt; die Machbarkeit wird mit der Kommune im Rahmen der Wärmeplanung weiterverfolgt.
Ergebnis: Was sich nach einem Jahr verändert hat
Die messbaren Effekte lagen im Rahmen dessen, was wir in Krematorien dieser Größe regelmäßig sehen: Der spezifische Gasverbrauch sank durch Schichtbündelung und Brennerregelung um 10 bis 20 %, ohne Investition in die Ofentechnik. Die CO₂-Kennzahl je Einäscherung liegt dokumentiert vor und wird jährlich fortgeschrieben. Mehrere Bestattungsunternehmen nutzen die Kurzfassung in ihrer Beratung; ein kirchlicher Friedhofsträger übernahm die Werte in seine eigene Klimabilanz. Die Metallverwertung ist schriftlich geregelt, steuerlich dokumentiert und im Bericht offen dargestellt – ein Thema, das zuvor als Risiko galt, ist heute Teil der Glaubwürdigkeit. Die Abwärmelieferung befindet sich in der Machbarkeitsprüfung, die Biomethan-Option wird von einem Teil der Bestatter aktiv nachgefragt.
Übertragbarkeit auf kommunale Krematorien und Bestatter
Bei kommunalen Eigenbetrieben verläuft der Prozess ähnlich, mit zwei Unterschieden: Der Bericht wird mit dem Klimaschutzmanagement der Stadt abgestimmt und fließt in das kommunale Klimaschutzkonzept ein; und die Metallverwertung ist nach dem BFH-Urteil als Betriebseinnahme des Betriebs gewerblicher Art zu behandeln, was Kämmerei und Steuerberater früh einbeziehen müssen. Für Bestattungsunternehmen ohne eigenes Krematorium reicht ein verkürzter Ablauf von sechs bis acht Wochen: Fuhrpark, Energie der Trauerhalle, Sarg- und Urnenherkunft und die Übernahme der Kennzahlen des genutzten Krematoriums. Auch Vereine als Träger können den DNK-Rahmen nutzen, wenn Satzungszweck und Berichtsinhalt aufeinander abgestimmt sind.
Ihr Krematorium als nächstes Beispiel
Wir übertragen den beschriebenen Ablauf auf Ihre Anlage: Datenaufnahme, Wesentlichkeit, CO₂-Bilanz, Maßnahmen, Bericht. Im kostenlosen Erstgespräch schätzen wir Aufwand und Förderfähigkeit ein.
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