Warum Nachhaltigkeit Zulieferer im Maschinenbau anders trifft als andere Branchen
Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt nach Angaben des VDMA rund eine Million Menschen und ist überwiegend mittelständisch geprägt. Der größte Teil der Betriebe liegt weit unter den Schwellen der europäischen Berichtspflicht. Trotzdem erhalten gerade Zulieferer jedes Jahr zahlreiche Nachhaltigkeitsanfragen: Wer Komponenten, Baugruppen, Geräte oder Reinigungstechnik an Konzerne liefert, sitzt in deren Lieferkette – und damit in deren Berichterstattung, Klimazielen und Sorgfaltspflichten.
Das Omnibus-Paket der EU hat die CSRD-Pflicht seit Richtlinie (EU) 2026/470 auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. € Umsatz begrenzt. Für Zulieferer ändert das weniger, als viele hoffen: Die verbleibenden berichtspflichtigen Konzerne müssen weiterhin Wertschöpfungskettendaten liefern und holen sie bei ihren Lieferanten ein. Der Gesetzgeber hat dafür lediglich eine Obergrenze gezogen, den sogenannten Value Chain Cap auf Basis des freiwilligen Standards (Voluntary Standard, VS), der aus dem VSME hervorgegangen ist. Was darüber hinaus vertraglich oder im Lieferantenportal verlangt wird, bleibt Verhandlungssache zwischen Ihnen und dem Einkauf.
Was Konzernkunden heute konkret von Zulieferern verlangen
Die Anforderungen kommen über drei Kanäle. Erstens über Rating-Plattformen: EcoVadis bewertet Unternehmen anhand von 21 Kriterien in den vier Themen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung. Medaillen vergibt EcoVadis nach Perzentil: Bronze für die besten 35 % der in den vorangegangenen zwölf Monaten bewerteten Unternehmen, Silber für die besten 15 %, Gold für die besten 5 %, Platin für das beste 1 %, jeweils mit mindestens 30 Punkten in jedem der vier Themen. Zweitens über branchenweite Fragebögen wie den Self-Assessment Questionnaire von Drive Sustainability in der Automobilindustrie oder die Audits der Chemie-Initiative Together for Sustainability. Drittens über Vertragsklauseln: Verhaltenskodex, Auditrechte, CMRT-Abfragen für Konfliktmineralien, REACH- und RoHS-Erklärungen, zunehmend auch Product Carbon Footprints.
Hinzu kommen Pflichten aus dem Produktrecht, die Hersteller elektrischer Geräte unabhängig von der Unternehmensgröße treffen: Registrierung bei der stiftung ear nach ElektroG, Rücknahme und Entsorgung von B2B-Altgeräten, Stoffbeschränkungen nach RoHS, Informationspflichten nach REACH-Artikel 33 und Meldungen an die SCIP-Datenbank. Die Ökodesign-Verordnung (EU) 2024/1781 wird diese Liste in den nächsten Jahren um Anforderungen an Reparierbarkeit, Rezyklatanteil und den digitalen Produktpass erweitern – voraussichtlich zuerst für Stahl und Aluminium als Werkstoffe, später für Elektro- und Elektronikgeräte.
| Kundenbranche | Instrument | Was Sie liefern müssen |
|---|---|---|
| Automotive | Drive Sustainability SAQ, Catena-X, IMDS | SAQ-Score, PCF je Teilenummer, Materialdaten, CMRT, Code-of-Conduct-Bestätigung |
| Chemie | Together for Sustainability (TfS) | EcoVadis-Scorecard oder TfS-Audit, Scope-1/2-Daten, Sicherheitskennzahlen |
| Pharma | PSCI-Prinzipien, Lieferantenaudits | Selbstauskunft, Arbeitsschutz- und Umweltnachweise, Antikorruptionsrichtlinie |
| Maschinenbau (OEM) | Eigene Lieferantenportale | VSME-nahe Datenpunkte, ISO 14001/50001-Zertifikate, Energie- und Abfalldaten |
| Facility Management / Handel | Ausschreibungskriterien | Energieverbrauch im Betrieb, Rücknahmekonzept, Ersatzteilverfügbarkeit, Rezyklatanteil |
Unser Ansatz: ein System statt vieler Einzelantworten
Die meisten Zulieferer beantworten jeden Fragebogen einzeln, aus dem Gedächtnis des QM-Leiters und mit Belegen, die im nächsten Jahr erneut gesucht werden. Wir drehen das um: Zuerst bauen wir einen Datenkern, der die Pflichtangaben des VSME-Basismoduls, die EcoVadis-Nachweise und die Material-Compliance-Dokumente einmal sauber ablegt. Aus diesem Kern werden EcoVadis-Fragebogen, Kundenportale, Nachhaltigkeitsbericht und Fördermittelanträge bedient. Zweitens priorisieren wir nach Kundenwirkung: Welche Lücke kostet Punkte beim wichtigsten Kunden, welche kostet nur Zeit. Drittens verbinden wir Nachhaltigkeit mit Wirtschaftlichkeit – Druckluft, Abwärme, Lackierung und Materialeffizienz sind die Stellen, an denen Zulieferer gleichzeitig CO₂ und Kosten senken.
- Lieferanten-Check: Abgleich aller offenen Kundenanforderungen, Rating-Lücken und Produktrechtspflichten mit Ihrem Dokumentenstand
- EcoVadis-Begleitung: Gap-Analyse der Scorecard, Nachweisstruktur, Richtlinien, Korrekturmaßnahmen für abgelehnte Fragen
- CO₂-Bilanz und Product Carbon Footprint nach GHG Protocol und ISO 14067, inklusive Antwortformat für Kundenportale
- Material-Compliance: Konfliktmineralien-Richtlinie, CMRT-Prozess, Rücknahmekonzept nach ElektroG, Vorbereitung auf den digitalen Produktpass
- Fördermittel: BAFA-Beratungsförderung, EEW-Module, Landesprogramme von SAB, TAB und IB Sachsen-Anhalt
Wer bei uns richtig ist
Zulieferer mit 20 bis 500 Beschäftigten, die mindestens einen Konzernkunden mit Nachhaltigkeitsanforderungen haben: Lohnfertiger, Komponenten- und Baugruppenhersteller, Hersteller von Geräten und Reinigungstechnik, Sondermaschinenbauer, Automatisierungs- und Steuerungstechnik. Erstgespräch kostenfrei, Beratung je nach Standort mit 50 bis 80 % BAFA-förderfähig.
Dr. Martin Schunk ist DNK-Lotse, INQA-Coach und beim BAFA registrierter Berater. wetando setzt Nachhaltigkeits- und Förderthemen für den Mittelstand um, darunter die Nachbesserung abgelehnter EcoVadis-Fragen für einen Hersteller professioneller Reinigungsgeräte, die auf der Seite Praxisbeispiel beschrieben ist. Die acht Tiefenseiten dieses Hubs führen durch die Themen, die Zulieferer im Maschinenbau tatsächlich bewegen: von den Berichtspflichten über die CO₂-Bilanz bis zur Checkliste für den Selbstcheck.
