Warum Nachhaltigkeit in der Druckerei zur Vertriebsfrage geworden ist
Die deutsche Druck- und Medienindustrie ist nach Angaben des Bundesverbands Druck und Medien (bvdm) eine überwiegend mittelständische Branche, deren Produktion 2023 um rund 13 % eingebrochen ist und deren Kapazitätsauslastung 2023 nur noch bei gut 77 % lag (bvdm-Branchenbericht 2024). In diesem Markt entscheidet nicht mehr nur der Preis pro Tausend Bogen. Einkaufsabteilungen von Konzernen, Verlagen, Handelsketten und öffentlichen Auftraggebern bewerten Lieferanten nach Nachhaltigkeitskriterien: CO₂-Angabe pro Auftrag, EcoVadis-Rating, Zertifikate wie FSC, PEFC oder Blauer Engel, Angaben zu Farben und Lösemitteln sowie zunehmend VSME-Datenpunkte für die eigene Berichterstattung.
Für eine Bogenoffsetdruckerei mit 30 bis 80 Mitarbeitenden bedeutet das: Die Nachhaltigkeitsfrage landet nicht beim Umweltbeauftragten, sondern beim Vertrieb. Wer in Lieferantenportalen keine belastbaren Daten hinterlegen kann, wird in Ausschreibungen schlechter bewertet oder gar nicht mehr angefragt. Gleichzeitig verändert sich die Rechtslage für die eigene Werbung grundlegend. Pauschale Aussagen wie „klimaneutral gedruckt“ auf Basis zugekaufter Zertifikate sind nach der EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 und ihrer Umsetzung im UWG seit dem 27. September 2026 für Produkte unzulässig. Die Branche muss also an zwei Enden gleichzeitig arbeiten: Daten liefern und Kommunikation bereinigen.
Regulatorik für Druckereien und Verpackungsdrucker im Überblick
Kaum eine Druckerei fällt selbst unter die CSRD-Berichtspflicht. Nach dem Omnibus-I-Paket, das der Rat der EU am 24. Februar 2026 endgültig beschlossen hat, sind nur Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz berichtspflichtig. Betroffen ist die Branche trotzdem – indirekt über ihre Kunden und direkt über branchenspezifische Vorschriften.
| Regelwerk | Wen es trifft | Was zu tun ist |
|---|---|---|
| CSRD / ESRS (Omnibus I) | Nur Konzerne > 1.000 MA und > 450 Mio. € Umsatz – also Ihre Großkunden | Lieferantenanfragen beantworten; VSME als Obergrenze („Value-Chain-Cap“) nutzen |
| VSME (freiwilliger KMU-Standard) | Alle Druckereien, die an Berichtspflichtige liefern | Basis- und ggf. Umfassendes Modul einmal aufbauen, jährlich fortschreiben |
| EmpCo-Richtlinie / UWG-Novelle | Jede Druckerei, die mit Umweltaussagen wirbt (ab 27.09.2026) | „Klimaneutral“-Claims auf Kompensationsbasis streichen, Siegel prüfen, Belege hinterlegen |
| EUDR (Entwaldungsverordnung) | Papier, Karton, Etiketten, Verpackungen (HS 48); Druckerzeugnisse HS 49 herausgenommen | Lieferanten, Abnehmer und ggf. Referenznummern der Sorgfaltserklärungen dokumentieren; Anwendung ab 30.12.2026, für Klein- und Kleinstunternehmen ab 30.06.2027 |
| PPWR (EU) 2025/40 | Verpackungsdrucker, Faltschachtel- und Etikettenhersteller | Konformitätserklärung und technische Dokumentation ab 12.08.2026; harmonisierte Kennzeichnung ab 12.08.2028; Recyclingfähigkeit ab 01.01.2030 |
| 31. BImSchV | Heatset-Rollenoffset und sonstige Drucktätigkeiten (z. B. Flexo-, Verpackungstiefdruck) ab 15 t, Illustrationstiefdruck ab 25 t Lösemittel/Jahr | Lösemittelbilanz führen, Reduzierungsplan oder Grenzwerte einhalten |
| Blauer Engel DE-UZ 195 (Druckerzeugnisse) | Druckereien, die Behörden und Großkunden bedienen | Zeichennutzungsvertrag über RAL; Recyclingpapier mit Blauem Engel, Anforderungen an Farben, Lacke, Klebstoffe, Lösemittelemissionen, Energie und Papierabfall |
Die Reihenfolge der Hebel ist in der Branche eindeutig. Papier und Material stellen in typischen Produktbilanzen 70–85 % des Fußabdrucks, die Produktion in der Druckerei selbst meist nur 5–15 % (Erfahrungswerte). Wer also „nachhaltiger drucken“ will, muss zuerst über Papierwahl, Grammatur, Formatausnutzung und Makulatur sprechen – und erst danach über die Druckmaschine. Für den eigenen Standort bleiben Strom für Druckmaschinen, Trockner, Druckluft und Lüftung sowie Erdgas für Heatset-Trockner und Heizung die bestimmenden Scope-1- und Scope-2-Posten.
Unser Ansatz: Druckerei-Check statt Standardbericht
Wir arbeiten nicht mit Generalisten-Vorlagen, sondern mit den Datenquellen, die in einer Druckerei ohnehin existieren: Branchensoftware mit Auftragsdaten, Papiereingangsbuch, Lösemittelbilanz, Energiezähler, Entsorgernachweise. Daraus entsteht eine Bilanz, die pro Auftrag ausgewertet werden kann und die Anfragen Ihrer Kunden beantwortet, statt sie zu umschiffen.
- 01
Druckerei-Check (2–3 Wochen)
Bestandsaufnahme: Welche Kundenanfragen liegen vor, welche Zertifikate laufen, wo stehen Energie-, Papier- und Lösemitteldaten? Ergebnis: priorisierte Lückenliste und Aufwandsschätzung.
- 02
CO₂-Bilanz und Kennzahlen (4–8 Wochen)
Standortbilanz nach GHG Protocol oder ISO 14064-1 mit Papier als Scope-3-Schwerpunkt, Ableitung von CO₂-Werten pro Auftrag, Abgleich mit bvdm-Klimarechner oder Kundenanforderungen.
- 03
Maßnahmen und Förderung
Maßnahmenkatalog mit Amortisation – von alkoholreduziertem Feuchtmittel über Druckluft bis zum Papierkonzept –, dazu passende Förderanträge (BAFA, EEW, Landesprogramme).
- 04
Bericht, Rating, Kommunikation
VSME- oder DNK-Bericht, EcoVadis-Fragebogen, EmpCo-konforme Produkt- und Webseitentexte. Die Druckerei spricht danach über belegte Zahlen statt über Labels.
Förderung
Kleine und mittlere Druckereien erhalten über das BAFA-Programm „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“ je nach Region 50 oder 80 % Zuschuss auf förderfähige Beratungskosten von bis zu 3.500 Euro je Beratung (Anträge nach aktueller Richtlinie bis 31.12.2026). Energieberatung und Investitionen laufen über die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) und Landesprogramme in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Druckerei-Check anfragen
Kostenloses Erstgespräch: Wir sehen uns Ihre offenen Kundenanfragen, Ihre Zertifikate und Ihre Werbeaussagen an und sagen Ihnen, was bis wann zu tun ist.
Druckerei-Check anfragen