Bogenoffset-Druckmaschine in einer Druckerei – Nachhaltigkeitsberatung für Druck und Verpackung
Branche Druck & Verpackung

Nachhaltigkeit Druckerei: vom CO₂-Wert pro Auftrag bis zum PPWR-Nachweis

Nachhaltigkeit Druckerei heißt heute nicht mehr „ein Logo auf den Umschlag“, sondern belastbare Zahlen: Konzerne, Verlage und Handelsketten verlangen CO₂-Angaben pro Auftrag, EcoVadis-Ratings und Nachweise zur Papierherkunft. Wir beraten Bogen- und Rollenoffsetdruckereien, Digitaldrucker, Medienhäuser und Verpackungsdrucker in Mitteldeutschland und bundesweit – mit Branchenwissen von der Makulaturquote bis zur 31. BImSchV.

weniger Energie bei Recyclingpapier gegenüber Frischfaserpapier (UBA-Texte 123/2022)
68 %
Anteil von Papier und Material am CO₂-Fußabdruck typischer Druckprodukte (Erfahrungswert)
70–85 %
Neue UWG-Regeln gegen pauschale „klimaneutral“-Werbung (EmpCo-Richtlinie)
27.09.2026
Ausgangslage

Was Druck & Verpackung jetzt unter Druck setzt

Kunden fragen Zahlen ab, nicht Absichten

Konzerne, Verlage und Handel verlangen CO₂-Werte pro Auftrag, EcoVadis-Scorecards und VSME-Datenpunkte als Vergabekriterium. Wer nur ein Kompensationszertifikat vorlegt, fällt in Lieferantenportalen zurück.

„Klimaneutral drucken“ wird zum Rechtsrisiko

Seit dem 27. September 2026 verbietet das UWG kompensationsbasierte „klimaneutral“-Aussagen zu Produkten. Viele Druckereien werben noch mit Labels, die nach EmpCo-Richtlinie und BGH-Rechtsprechung (Katjes, 2024) angreifbar sind.

Papier: größter Hebel, größte Pflicht

Papier und Karton stellen den größten Scope-3-Posten und fallen zugleich unter die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Verpackungsdrucker müssen ab 12. August 2026 zusätzlich die PPWR-Anforderungen dokumentieren.

Energiepreise treffen Druckmaschinen, Trockner und Druckluft

Strom und Erdgas teilen sich in vielen Druckereien den Energiebedarf etwa hälftig. Die Branche gehört in der Regel nicht zu den Sektoren, die Industriestrompreis oder Strompreiskompensation erhalten – Effizienz ist deshalb der wichtigste eigene Hebel.

Warum Nachhaltigkeit in der Druckerei zur Vertriebsfrage geworden ist

Die deutsche Druck- und Medienindustrie ist nach Angaben des Bundesverbands Druck und Medien (bvdm) eine überwiegend mittelständische Branche, deren Produktion 2023 um rund 13 % eingebrochen ist und deren Kapazitätsauslastung 2023 nur noch bei gut 77 % lag (bvdm-Branchenbericht 2024). In diesem Markt entscheidet nicht mehr nur der Preis pro Tausend Bogen. Einkaufsabteilungen von Konzernen, Verlagen, Handelsketten und öffentlichen Auftraggebern bewerten Lieferanten nach Nachhaltigkeitskriterien: CO₂-Angabe pro Auftrag, EcoVadis-Rating, Zertifikate wie FSC, PEFC oder Blauer Engel, Angaben zu Farben und Lösemitteln sowie zunehmend VSME-Datenpunkte für die eigene Berichterstattung.

Für eine Bogenoffsetdruckerei mit 30 bis 80 Mitarbeitenden bedeutet das: Die Nachhaltigkeitsfrage landet nicht beim Umweltbeauftragten, sondern beim Vertrieb. Wer in Lieferantenportalen keine belastbaren Daten hinterlegen kann, wird in Ausschreibungen schlechter bewertet oder gar nicht mehr angefragt. Gleichzeitig verändert sich die Rechtslage für die eigene Werbung grundlegend. Pauschale Aussagen wie „klimaneutral gedruckt“ auf Basis zugekaufter Zertifikate sind nach der EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 und ihrer Umsetzung im UWG seit dem 27. September 2026 für Produkte unzulässig. Die Branche muss also an zwei Enden gleichzeitig arbeiten: Daten liefern und Kommunikation bereinigen.

Regulatorik für Druckereien und Verpackungsdrucker im Überblick

Kaum eine Druckerei fällt selbst unter die CSRD-Berichtspflicht. Nach dem Omnibus-I-Paket, das der Rat der EU am 24. Februar 2026 endgültig beschlossen hat, sind nur Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz berichtspflichtig. Betroffen ist die Branche trotzdem – indirekt über ihre Kunden und direkt über branchenspezifische Vorschriften.

Was Druckereien und Verpackungsdrucker konkret trifft (Rechtsstand November 2026)
RegelwerkWen es trifftWas zu tun ist
CSRD / ESRS (Omnibus I)Nur Konzerne > 1.000 MA und > 450 Mio. € Umsatz – also Ihre GroßkundenLieferantenanfragen beantworten; VSME als Obergrenze („Value-Chain-Cap“) nutzen
VSME (freiwilliger KMU-Standard)Alle Druckereien, die an Berichtspflichtige liefernBasis- und ggf. Umfassendes Modul einmal aufbauen, jährlich fortschreiben
EmpCo-Richtlinie / UWG-NovelleJede Druckerei, die mit Umweltaussagen wirbt (ab 27.09.2026)„Klimaneutral“-Claims auf Kompensationsbasis streichen, Siegel prüfen, Belege hinterlegen
EUDR (Entwaldungsverordnung)Papier, Karton, Etiketten, Verpackungen (HS 48); Druckerzeugnisse HS 49 herausgenommenLieferanten, Abnehmer und ggf. Referenznummern der Sorgfaltserklärungen dokumentieren; Anwendung ab 30.12.2026, für Klein- und Kleinstunternehmen ab 30.06.2027
PPWR (EU) 2025/40Verpackungsdrucker, Faltschachtel- und EtikettenherstellerKonformitätserklärung und technische Dokumentation ab 12.08.2026; harmonisierte Kennzeichnung ab 12.08.2028; Recyclingfähigkeit ab 01.01.2030
31. BImSchVHeatset-Rollenoffset und sonstige Drucktätigkeiten (z. B. Flexo-, Verpackungstiefdruck) ab 15 t, Illustrationstiefdruck ab 25 t Lösemittel/JahrLösemittelbilanz führen, Reduzierungsplan oder Grenzwerte einhalten
Blauer Engel DE-UZ 195 (Druckerzeugnisse)Druckereien, die Behörden und Großkunden bedienenZeichennutzungsvertrag über RAL; Recyclingpapier mit Blauem Engel, Anforderungen an Farben, Lacke, Klebstoffe, Lösemittelemissionen, Energie und Papierabfall

Die Reihenfolge der Hebel ist in der Branche eindeutig. Papier und Material stellen in typischen Produktbilanzen 70–85 % des Fußabdrucks, die Produktion in der Druckerei selbst meist nur 5–15 % (Erfahrungswerte). Wer also „nachhaltiger drucken“ will, muss zuerst über Papierwahl, Grammatur, Formatausnutzung und Makulatur sprechen – und erst danach über die Druckmaschine. Für den eigenen Standort bleiben Strom für Druckmaschinen, Trockner, Druckluft und Lüftung sowie Erdgas für Heatset-Trockner und Heizung die bestimmenden Scope-1- und Scope-2-Posten.

Unser Ansatz: Druckerei-Check statt Standardbericht

Wir arbeiten nicht mit Generalisten-Vorlagen, sondern mit den Datenquellen, die in einer Druckerei ohnehin existieren: Branchensoftware mit Auftragsdaten, Papiereingangsbuch, Lösemittelbilanz, Energiezähler, Entsorgernachweise. Daraus entsteht eine Bilanz, die pro Auftrag ausgewertet werden kann und die Anfragen Ihrer Kunden beantwortet, statt sie zu umschiffen.

  1. 01

    Druckerei-Check (2–3 Wochen)

    Bestandsaufnahme: Welche Kundenanfragen liegen vor, welche Zertifikate laufen, wo stehen Energie-, Papier- und Lösemitteldaten? Ergebnis: priorisierte Lückenliste und Aufwandsschätzung.

  2. 02

    CO₂-Bilanz und Kennzahlen (4–8 Wochen)

    Standortbilanz nach GHG Protocol oder ISO 14064-1 mit Papier als Scope-3-Schwerpunkt, Ableitung von CO₂-Werten pro Auftrag, Abgleich mit bvdm-Klimarechner oder Kundenanforderungen.

  3. 03

    Maßnahmen und Förderung

    Maßnahmenkatalog mit Amortisation – von alkoholreduziertem Feuchtmittel über Druckluft bis zum Papierkonzept –, dazu passende Förderanträge (BAFA, EEW, Landesprogramme).

  4. 04

    Bericht, Rating, Kommunikation

    VSME- oder DNK-Bericht, EcoVadis-Fragebogen, EmpCo-konforme Produkt- und Webseitentexte. Die Druckerei spricht danach über belegte Zahlen statt über Labels.

Förderung

Kleine und mittlere Druckereien erhalten über das BAFA-Programm „Förderung von Unternehmensberatungen für KMU“ je nach Region 50 oder 80 % Zuschuss auf förderfähige Beratungskosten von bis zu 3.500 Euro je Beratung (Anträge nach aktueller Richtlinie bis 31.12.2026). Energieberatung und Investitionen laufen über die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) und Landesprogramme in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt.

Druckerei-Check anfragen

Kostenloses Erstgespräch: Wir sehen uns Ihre offenen Kundenanfragen, Ihre Zertifikate und Ihre Werbeaussagen an und sagen Ihnen, was bis wann zu tun ist.

Druckerei-Check anfragen
Häufige Fragen

Nachhaltigkeit für Druck & Verpackung: Ihre Fragen

Konkret sind es fünf Felder: Papier (Herkunft, Recyclinganteil, EUDR-Nachweis), Energie (Druckmaschinen, Trockner, Druckluft, Heizung), Chemie (Farben, Lacke, Lösemittel, Feuchtmittel), Abfall (Makulatur, Verschnitt, Entsorgungswege) und Kommunikation (Werbeaussagen, Zertifikate, Kundenanfragen). Eine belastbare CO₂-Bilanz und ein kurzer Bericht nach VSME verbinden diese Felder so, dass Kunden und Behörden damit arbeiten können.

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Kostenloses Erstgespräch – wir analysieren Ihre aktuelle Situation und zeigen Ihnen, welche Schritte jetzt die größte Wirkung haben. Für KMU ist je nach Region eine BAFA-Förderung von 50 oder 80 % möglich.