CO₂-Bilanz Druckerei – Druckereien, Medien & Verpackung
Treibhausgasbilanz

CO₂-Bilanz für Druckereien: Vom Papiereingang zum CO₂-Wert pro Auftrag

Eine CO₂-Bilanz Druckerei unterscheidet sich von der eines Maschinenbauers vor allem durch einen Posten: Papier. In typischen Produktbilanzen stammen 70–85 % des Fußabdrucks aus dem Material, meist nur 5–15 % aus der Produktion im Haus (Erfahrungswerte). Wer das weiß, baut die Bilanz anders auf – und kann sie pro Auftrag auswerten.

Emissionsquellen einer Druckerei nach Scope 1, 2 und 3

Wir bilanzieren nach GHG Protocol oder ISO 14064-1 – beide werden von Kunden und vom bvdm-Klimarechner akzeptiert. Entscheidend ist die Systemgrenze: Für die Standortbilanz (Corporate Carbon Footprint) zählen alle Emissionen des Betriebs, für die Angabe pro Auftrag (Product Carbon Footprint nach ISO 14067 oder ISO 16759 für Druckerzeugnisse) wird der Standort anteilig auf Aufträge verteilt und das Material auftragsgenau zugerechnet.

Typische Emissionsquellen in Druckereien und Verpackungsdruck
ScopeQuelleDatenquelle im BetriebTypischer Anteil (Erfahrungswerte)
Scope 1Erdgas für Heatset-Trockner, Heizung, thermische Nachverbrennung; Fuhrpark; flüchtige Lösemittel (VOC, nicht CO₂, aber in Umweltbilanz)Gasrechnungen, Tankbelege, LösemittelbilanzBogenoffset 3–10 %, Heatset-Rollenoffset bis 30 % der Standortbilanz
Scope 2Strom für Druckmaschinen, UV-/IR-Trockner, Druckluft, Lüftung, Klimatisierung, WeiterverarbeitungStromrechnungen, Zähler, ggf. LastgangBogenoffset 60–85 % der Scope-1+2-Emissionen
Scope 3Papier und Karton, Farben, Lacke, Druckplatten, Klebstoffe, Verpackungsmaterial, Transporte, Abfall, PendelverkehrPapiereingangsbuch, Lieferantenrechnungen, Entsorgernachweise, SpeditionsdatenPapier allein 60–80 % der Gesamtbilanz; Gesamt-Scope 3 meist 85–95 %

Die Anteile sind Erfahrungswerte aus unseren Projekten und Branchenveröffentlichungen, keine Normwerte. Sie verschieben sich deutlich zwischen Verfahren: Ein Heatset-Rollenoffsetbetrieb mit Gastrocknern hat einen hohen Scope-1-Anteil, eine Digitaldruckerei nahezu keinen. Ein Verpackungsdrucker mit Kaschierung und Folienanteil hat zusätzlich Kunststoffe als Scope-3-Posten.

Emissionsfaktoren und Datenquellen für die CO₂-Bilanz einer Druckerei

Für Strom und Erdgas verwenden wir die Faktoren des Umweltbundesamts (Strommix Deutschland, jährlich aktualisiert) oder den Herkunftsnachweis Ihres Versorgers für die marktbasierte Methode. Für Materialien greifen wir auf GEMIS, ecoinvent und die Daten des Branchen-Klimarechners der Druck- und Medienverbände zurück. Für Papier sind herstellerspezifische Werte nach dem Paper-Profile- oder CEPI-Framework den Datenbankwerten vorzuziehen, weil sie den tatsächlichen Energiemix der Papierfabrik abbilden.

  • Papier: je nach Sorte und Datenbank typischerweise 0,6–1,3 kg CO₂e je kg Papier (cradle-to-gate); Recyclingpapier liegt in der Regel am unteren Rand, gestrichene Frischfaserpapiere mit hohem Füllstoffanteil weiter oben. Herstellerangaben prüfen.
  • Strom: UBA-Faktor für den deutschen Strommix des Bilanzjahres; bei Ökostrom mit Herkunftsnachweis marktbasiert 0 kg CO₂e, standortbasiert bleibt der Mix-Wert ausgewiesen.
  • Erdgas: rund 0,2 kg CO₂e je kWh (UBA), inklusive Vorkette höher – für Heatset-Trockner der dominante Scope-1-Faktor.
  • Druckfarben und Lacke: Datenbankwerte aus ecoinvent oder Herstellerdeklarationen; mineralölfreie Farben auf Pflanzenölbasis haben andere Vorketten als konventionelle Offsetfarben.
  • Druckplatten: Aluminium ist energieintensiv; prozessfreie Platten sparen Chemie, nicht zwingend CO₂. Rücknahme und Recycling des Aluminiums sind zu dokumentieren.
  • Transporte: Zustellung an Kunden und Papieranlieferung nach Tonnenkilometern (GEMIS oder Spediteursangaben).
  • Abfall: Makulatur und Verschnitt gehen als Altpapier in den Kreislauf; die Gutschrift wird je nach Methode unterschiedlich behandelt – transparent ausweisen.

Makulatur als doppelter Posten

Einrichte- und Laufmakulatur liegen im Bogenoffset in unseren Projekten typischerweise zwischen 3 und 8 % des eingesetzten Papiers, bei kleinen Auflagen und vielen Jobwechseln auch darüber. In der Bilanz wirkt Makulatur zweifach: als eingekauftes Papier mit voller Vorkette und als Abfallstrom. Jedes Prozent weniger Makulatur reduziert also unmittelbar den größten Scope-3-Posten – deshalb ist die Makulaturquote in unseren Bilanzen eine eigene Kennzahl, die wir pro Maschine und Auflagenklasse ausweisen.

Vom Standort zum Auftrag: CO₂-Angabe pro Druckjob

Kunden fragen selten nach Ihrer Standortbilanz. Sie fragen nach dem Fußabdruck ihres Katalogs, ihrer Faltschachtel oder ihres Geschäftsberichts. Dafür braucht es eine Allokation: Das Papier wird dem Auftrag direkt zugeordnet (Bestellmenge inklusive Makulaturzuschlag), Farben und Platten über Verbrauchsschlüssel, Strom und Gas über Maschinenstunden oder Bedruckstoffdurchsatz. Mit den Auftragsdaten aus Ihrer Branchensoftware lässt sich das weitgehend automatisieren. Der Klimarechner der Druck- und Medienverbände und vergleichbare Tools liefern Produktwerte nach der Logik von ISO 16759; eine eigene Standortbilanz macht diese Werte überprüfbar und verhindert, dass pauschale Durchschnittswerte Ihre tatsächliche Effizienz verdecken.

Benchmark-Spannen (Erfahrungswerte, keine Normwerte)

Eine Broschüre im Bogenoffset auf gestrichenem Frischfaserpapier liegt bei etwa 1,0–1,5 kg CO₂e je kg Druckprodukt, auf Recyclingpapier mit Ökostrom am Standort eher bei 0,7–1,0 kg CO₂e je kg. Material macht dabei typischerweise 70–85 % aus, die Produktion im Haus 5–15 %. Abweichungen von diesen Spannen sind kein Fehler, sondern ein Hinweis auf Papierwahl oder Strombezug.

Ablauf einer CO₂-Bilanz für Druckereien

  1. 01

    Systemgrenze und Bilanzjahr festlegen

    Standort(e), Verfahren, Weiterverarbeitung, Fuhrpark. Entscheidung: Standortbilanz, Produktwerte oder beides.

  2. 02

    Daten erheben

    Strom- und Gasrechnungen, Papiereingang nach Sorte und Grammatur, Farb- und Lackverbrauch, Lösemittelbilanz, Entsorgernachweise, Speditionsdaten.

  3. 03

    Berechnen und plausibilisieren

    Faktoren aus UBA, GEMIS, ecoinvent, Herstellerdaten; Abgleich mit Branchenspannen; Dokumentation der Annahmen.

  4. 04

    Pro Auftrag auswertbar machen

    Allokationsschlüssel definieren, Vorlage für Kundenangaben erstellen, Verknüpfung mit Branchensoftware prüfen.

  5. 05

    Reduktionspfad ableiten

    Papierkonzept, Energieeffizienz, Lieferantenauswahl – mit Zielwerten, die EmpCo-konform kommuniziert werden können.

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Häufige Fragen

CO₂-Bilanz: Ihre Fragen

Er hängt fast vollständig vom Papier ab. Als grobe Orientierung: 1,0–1,5 kg CO₂e je Kilogramm Broschüre auf gestrichenem Frischfaserpapier, 0,7–1,0 kg CO₂e je Kilogramm auf Recyclingpapier mit Ökostrom am Standort. Das sind Erfahrungsspannen, keine Normwerte. Branchen-Klimarechner liefern Produktwerte nach ISO 16759; eine eigene Standortbilanz macht sie überprüfbar.

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