DNK, VSME oder GRI: Welcher Standard passt zu einer Druckerei?
Da fast keine Druckerei unter die CSRD fällt, ist der Standard frei wählbar. Drei Wege kommen in Betracht: der freiwillige europäische KMU-Standard VSME der EFRAG, die Veröffentlichung über den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) und die GRI-Standards als international etablierter Rahmen. Der DNK hat 2025 seinen bisherigen Kriterienstandard durch Module nach VSME und ESRS ersetzt; Erklärungen nach altem DNK-Standard sind nur noch übergangsweise möglich. In unseren Druckereiprojekten läuft es deshalb fast immer auf VSME hinaus – mit oder ohne Veröffentlichung über die DNK-Plattform. GRI lohnt sich erst für exportorientierte Verpackungsdrucker mit internationalen Markenkunden.
| Kriterium | VSME (EFRAG) | DNK | GRI |
|---|---|---|---|
| Zielgruppe | Lieferanten berichtspflichtiger Kunden, Banken | Deutsche Kunden, Behörden, Öffentlichkeit | Internationale Konzerne, Investoren |
| Umfang | Basismodul mit 11 Angaben (B1–B11), optional Umfassendes Modul | Seit 2025 Eingabe nach VSME- oder ESRS-Modul; alter Kriterienstandard läuft aus | Universal Standards plus Themenstandards, umfangreich |
| Wesentlichkeitsanalyse | Nicht verlangt | Im VSME-Modul nicht verlangt, im ESRS-Modul verlangt | Verlangt |
| Prüfung / Veröffentlichung | Keine Prüfpflicht; Veröffentlichung freiwillig | Keine Prüfpflicht; Veröffentlichung in der DNK-Datenbank | Keine Prüfpflicht; GRI-Index |
| Nutzen für Lieferantenfragebögen | Sehr hoch – ist die Obergrenze der Anfragen (Value-Chain-Cap) | Sehr hoch im VSME-Modul (dieselben Datenpunkte) | Hoch, aber Übersetzungsaufwand |
| Aufwand erster Bericht | 6–10 Wochen | 6–10 Wochen (VSME-Modul), länger nach ESRS | 16–24 Wochen |
Unsere Empfehlung für die meisten Druckereien: VSME-Basismodul als Datengerüst, ergänzt um das Umfassende Modul, wenn Konzernkunden nach Zielen und Richtlinien fragen. Wer Behörden und öffentliche Auftraggeber bedient oder öffentlich sichtbar sein will, veröffentlicht den Bericht zusätzlich über die DNK-Plattform – die Daten sind dieselben. Wir begleiten beide Wege.
Welche Kennzahlen ein Nachhaltigkeitsbericht einer Druckerei enthalten muss
Die Kennzahlen ergeben sich aus den Standards und aus dem, was Kunden tatsächlich abfragen. Aus mehreren Dutzend ausgewerteten Lieferantenfragebögen an Druckereien ergibt sich ein stabiler Kern:
- Energie: Gesamtverbrauch in MWh, Anteil Strom und Erdgas, Anteil erneuerbar (mit und ohne Herkunftsnachweis), Verbrauch je Tonne Bedruckstoff oder je 1.000 Bogen als Intensitätskennzahl.
- Emissionen: Scope 1 und 2 in t CO₂e (markt- und standortbasiert), Scope 3 mindestens Papier und Transporte; Intensität je Tonne Produkt; Bezugsjahr und Reduktionspfad.
- Material: Papier- und Kartoneinsatz in Tonnen, davon Recyclinganteil, FSC/PEFC-Anteil, Blauer-Engel-Anteil; Farben, Lacke, Platten in Kilogramm.
- Abfall: Makulatur und Verschnitt in Tonnen und als Quote, gefährliche Abfälle (Lösemittel, Farbreste, Entwickler), Verwertungsquote.
- Emissionen in die Luft: VOC in Tonnen aus der Lösemittelbilanz, IPA-Anteil im Feuchtmittel, 31.-BImSchV-Status.
- Wasser: Verbrauch in m³ – meist gering, aber abgefragt.
- Belegschaft: Kopfzahl und Vollzeitäquivalente, Fluktuation, Ausbildungsquote, Arbeitsunfälle je 1.000 Stunden, Schulungsstunden, Entgeltgleichheit.
- Governance: Zertifizierungen (ISO 9001, 14001, 50001, PSO, FSC/PEFC CoC, Blauer Engel), Verhaltenskodex, Umgang mit Umweltaussagen, Lieferantenbewertung.
Branchenspezifische Angaben, die den Unterschied machen
Ein Bericht, der nur Standardkennzahlen enthält, liest sich wie jeder andere. Druckereispezifisch werden Berichte durch Angaben, die Kunden sonst nirgends finden: die Makulaturquote je Verfahren, der Anteil alkoholfrei gedruckter Aufträge, der Anteil mineralölfreier Farben, die De-Inking-Fähigkeit der eingesetzten Veredelungen, der Umgang mit EUDR-Referenznummern und – für Verpackungsdrucker – der Stand der PPWR-Konformitätsdokumentation. Diese Angaben belegen Branchenkompetenz und sind nach der UWG-Novelle 2026 auch die einzige rechtssichere Form von Umweltkommunikation: konkret, messbar, belegt.
Aufbau und Zeitplan für den ersten Nachhaltigkeitsbericht
- 01
Wochen 1–2: Standard und Systemgrenze
Entscheidung VSME mit oder ohne Veröffentlichung über den DNK; Festlegung Bilanzjahr, Standorte, Verantwortliche; Abgleich mit den Fragebögen der wichtigsten fünf Kunden.
- 02
Wochen 3–6: Datenerhebung
Energie- und Papierdaten, Lösemittelbilanz, Entsorgernachweise, Personaldaten; CO₂-Bilanz; Lücken schließen oder transparent ausweisen.
- 03
Wochen 7–9: Text und Struktur
Unternehmensprofil, wesentliche Themen, Kennzahlentabellen, Ziele und Maßnahmen; EmpCo-Prüfung aller Formulierungen.
- 04
Wochen 10–12: Freigabe und Veröffentlichung
Freigabe durch die Geschäftsführung, ggf. Veröffentlichung über den DNK, Datenblatt für Lieferantenportale, Kurzfassung für Vertrieb und Webseite.
Zusammenspiel mit dem EcoVadis-Rating
Handelsketten und Konzerne verlangen von Druckereien zunehmend ein EcoVadis-Rating. Die Scorecard bewertet nicht Kennzahlen allein, sondern Richtlinien, Maßnahmen und Ergebnisse in den Bereichen Umwelt, Arbeit und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung. Ein VSME-Bericht liefert dafür nach unserer Erfahrung einen großen Teil der Nachweise; der Rest sind Richtliniendokumente, die wir im selben Projekt erstellen. Ohne dokumentierte Richtlinien und Kennzahlen bleibt das Rating erfahrungsgemäß meist unter 50 Punkten.
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