Wesentlichkeitsanalyse Druckerei – Druckereien, Medien & Verpackung
Doppelte Wesentlichkeit

Wesentlichkeitsanalyse für Druckereien: Welche Themen wirklich zählen

Eine Wesentlichkeitsanalyse Druckerei muss nicht bei null beginnen: Die wesentlichen Themen der Branche sind bekannt – Papierherkunft, Energie, Chemie, Abfall, Kundenanforderungen und Fachkräfte. Was fehlt, ist die Gewichtung für Ihren Betrieb. Diese Seite zeigt die vorbelegten Branchenthemen (IROs), die Stakeholder und ein Vorgehen, das in zwei Workshops erledigt ist.

Doppelte Wesentlichkeit in der Druckerei – pragmatisch angewendet

Die doppelte Wesentlichkeit fragt zwei Dinge: Wo wirkt Ihre Druckerei auf Umwelt und Menschen (Inside-out, „Impact Materiality“), und wo wirken Nachhaltigkeitsthemen finanziell auf Ihre Druckerei (Outside-in, „Financial Materiality“)? Für CSRD-Berichtspflichtige ist die Analyse nach ESRS 1 vorgeschrieben. Für eine Druckerei unter den Schwellen ist sie freiwillig – aber sie ist das Werkzeug, um aus 30 denkbaren Themen die sechs bis zehn herauszufiltern, über die Sie berichten, in die Sie investieren und mit denen Sie beim Kunden argumentieren.

Im VSME-Standard ist keine formale Wesentlichkeitsanalyse verlangt; nach ESRS ist sie Pflicht. Wir führen sie trotzdem in jedem Projekt durch, weil sie den Bericht schlank hält und die Maßnahmenliste priorisiert. Branchenspezifisch bedeutet das: Wir starten mit einer vorbelegten Liste von Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs), die für Druck und Verpackung typisch sind, und bewerten sie mit Ihrem Team.

Vorbelegte Branchenthemen (IROs) für Druck, Medien und Verpackung

Typische wesentliche Themen einer Druckerei – Vorbelegung für den Workshop
Thema (ESRS-Bezug)Auswirkung (Inside-out)Finanzielles Risiko / Chance (Outside-in)
Klimawandel (E1)Emissionen aus Papiervorkette, Strom, Erdgas für Trockner, LogistikEnergiepreise, nationaler CO₂-Preis auf Erdgas (BEHG, Übergang in den EU-ETS 2 ab 2028), Kundenanforderungen an CO₂ pro Auftrag
Umweltverschmutzung (E2)VOC-Emissionen aus Lösemitteln, Feuchtmittelzusätzen, Reinigern; Mineralölanteile in Farben31. BImSchV, Blauer Engel, Lebensmittelverpackungen (Mineralölmigration), Haftung
Wasser (E3)Feuchtmittel, Plattenentwicklung, Reinigung – meist geringGering; relevant bei Tiefdruck und Entwicklerchemie
Biodiversität / Wälder (E4)Holzfaser als Rohstoff, Entwaldungsrisiko in der VorketteEUDR-Dokumentation, FSC/PEFC als Vergabekriterium
Ressourcen und Kreislauf (E5)Papierverbrauch, Makulatur, Aluminiumplatten, Verpackungen, Recyclingfähigkeit (De-Inking)Papierpreise deutlich über Vorkrisenniveau, PPWR-Recyclingfähigkeit 2030, Altpapiererlöse
Eigene Belegschaft (S1)Schichtarbeit, Lärm, Lösemittelexposition, Fachkräftemangel bei MedientechnologenRekrutierungskosten, Krankenstand, Ausbildungsquote als Wettbewerbsfaktor
Wertschöpfungskette (S2)Arbeitsbedingungen in Zellstoff- und FarbenproduktionLieferkettenfragebögen von Konzernkunden, Reputationsrisiko
Verbraucher / Kunden (S4)Produktsicherheit bei Lebensmittelverpackungen, Barrierefreiheit von MedienProdukthaftung, Ausschreibungskriterien
Unternehmensführung (G1)Rechtskonforme Umweltaussagen, Korruptionsprävention im EinkaufEmpCo/UWG-Abmahnrisiko, Vergabeausschluss

Erfahrungsgemäß bleiben nach der Bewertung in einer Bogenoffsetdruckerei sechs bis acht Themen wesentlich: Klima, Umweltverschmutzung durch Lösemittel, Ressourcen und Papier, Wälder (über die EUDR), eigene Belegschaft, Kunden und rechtssichere Kommunikation. Wasser und Biodiversität am Standort fallen meist heraus. Bei Verpackungsdruckern kommt die Produktsicherheit hinzu, bei Medienhäusern mit Redaktion die Themen Meinungsvielfalt und Datenschutz.

Stakeholder einer Druckerei und wie wir sie einbinden

  • Kunden: Verlage, Agenturen, Konzern-Marketing, Handel, öffentliche Auftraggeber – fragen nach CO₂, Zertifikaten, Papierherkunft. Einbindung über Auswertung der eingegangenen Fragebögen und zwei bis drei Kundeninterviews.
  • Lieferanten: Papiergroßhandel und Papierfabriken, Farbenhersteller, Plattenlieferanten, Entsorger – entscheidend für Scope 3 und EUDR. Einbindung über Lieferantenabfrage.
  • Belegschaft und Betriebsrat: Schichtmodelle, Gesundheitsschutz, Ausbildung. Einbindung über kurze Befragung und Workshop-Teilnahme der Produktionsleitung.
  • Behörden: Untere Immissionsschutzbehörde (31. BImSchV), Gewerbeaufsicht, Zoll (EUDR). Einbindung über Dokumentenprüfung.
  • Banken und Versicherer: fragen zunehmend ESG-Kennzahlen im Kreditprozess ab. Einbindung über Abgleich mit deren Fragebögen.
  • Verbände: bvdm und VDM-Landesverbände liefern Branchenpositionen zu EUDR, PPWR und Klimainitiative. Einbindung über Abgleich mit Verbandspositionen.
  • Nachbarschaft und Kommune: Lärm, Lieferverkehr, Gerüche aus Trocknern bei Rollenoffset. Einbindung bei Standorten in Wohnnähe.

Vorgehen: Zwei Workshops, eine Matrix

  1. 01

    Vorbereitung (1 Woche)

    Wir sichten Kundenfragebögen, Zertifikate, Energiedaten und Lösemittelbilanz und passen die vorbelegte IRO-Liste an Ihre Verfahren an.

  2. 02

    Workshop 1: Auswirkungen bewerten (3 Stunden)

    Geschäftsführung, Produktion, Vertrieb, Einkauf bewerten Schwere, Ausmaß und Wahrscheinlichkeit jeder Auswirkung auf einer Skala.

  3. 03

    Workshop 2: Finanzielle Wesentlichkeit (3 Stunden)

    Dieselbe Runde bewertet Risiken und Chancen nach Eintrittswahrscheinlichkeit und finanzieller Größenordnung – mit konkreten Zahlen aus Ihren Energie- und Papierkosten.

  4. 04

    Matrix und Dokumentation

    Wesentlichkeitsmatrix, Begründung je Thema, Schwellenwerte, Liste der nicht wesentlichen Themen. Das Dokument dient als Grundlage für VSME-Bericht und EcoVadis-Fragebogen.

Typische Fehler in der Branche

Erstens: Alle Umweltthemen als wesentlich einstufen, weil „wir ja Papier verarbeiten“ – das macht den Bericht lang und die Maßnahmenliste unscharf. Zweitens: Kommunikation und Werbeaussagen vergessen, obwohl sie seit der UWG-Novelle 2026 das größte Rechtsrisiko sind. Drittens: Fachkräftemangel nicht als Nachhaltigkeitsthema sehen, obwohl er in vielen Druckereien das wirtschaftlich bedeutendste Risiko ist.

Wesentlichkeitsanalyse in zwei Workshops

Wir bringen die vorbelegte Themenliste mit, Sie bringen Ihr Team. Nach zwei Workshops haben Sie eine belastbare Matrix – förderfähig über die BAFA-Beratungsförderung.

Druckerei-Check anfragen
Häufige Fragen

Wesentlichkeitsanalyse: Ihre Fragen

Formal nicht, praktisch ja. Der VSME verlangt sie nicht, EcoVadis bewertet implizit, ob Ihre Richtlinien zu Ihren wesentlichen Risiken passen. Vor allem aber sortiert die Analyse: Sie entscheidet, ob Sie zuerst in Druckluft, Papierkonzept oder Ausbildung investieren. Zwei Workshops reichen dafür in einer Druckerei mit 20–250 Mitarbeitenden aus.

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