EcoVadis Zulieferer – Industrielle Zulieferer: Maschinenbau, Geräte- und Reinigungstechnik
Praxisbeispiel

EcoVadis für Zulieferer: So besserte ein Gerätehersteller nach

EcoVadis bewertet Zulieferer nicht nach Absicht, sondern nach Nachweis. Dieses Praxisbeispiel zeigt anhand eines Herstellers gewerblicher Reinigungsgeräte, warum eingereichte Belege zu Produktlebensende und Beschaffung abgelehnt wurden, wie wir die Lücken geschlossen haben und was andere Gerätehersteller daraus übernehmen können.

Ausgangslage: Silber, GRI-Bericht – und trotzdem abgelehnte Fragen

Der Mandant ist ein mittelständischer Hersteller professioneller Reinigungsgeräte für den B2B-Markt: Trockensauger, Rückensauger, Reinigungswagen und Zubehör für Gebäudedienstleister, Fachhandel und Industrie. Entwicklung, Montage und Logistik finden in Deutschland statt, Komponenten wie Motoren, Elektronik und Kunststoffteile kommen aus einer internationalen Lieferkette. Das Unternehmen hatte im Frühjahr 2026 ein EcoVadis-Rating mit Silbermedaille erreicht, veröffentlicht einen Nachhaltigkeitsbericht nach GRI und setzt bei Kunststoffteilen auf hohe Rezyklatanteile.

Trotz Silber enthielt die Scorecard mehrere Fragen, die EcoVadis als nicht ausreichend belegt bewertete. Im Thema Umwelt betraf das die Maßnahmen zum Produktlebensende und die zugehörigen Kennzahlen. Eingereicht worden waren die Elektrogerätekennzeichnung, Hinweise in der Bedienungsanleitung, der Gebührenbescheid der stiftung ear und eine Aufstellung von Servicefällen und Verschrottungen. Im Thema nachhaltige Beschaffung wurden Fragen zum Kapazitätsaufbau bei Lieferanten, zu Zielen für Einkäufer, zur inklusiven Beschaffung, zu Beschaffungskennzahlen und zum Konfliktmineralien-Report als unzureichend eingestuft.

Warum die Belege nicht reichten

EcoVadis unterscheidet zwischen gesetzlicher Compliance und aktivem Management. Die ear-Registrierung und die Kennzeichnung belegen, dass der Hersteller das ElektroG einhält. Sie belegen nicht, dass er das Lebensende seiner Produkte aktiv steuert: mit Partnern, Sammelsystem, Rückläufermengen und Zielen. Dieselbe Logik gilt in der Beschaffung – ein unterschriebener Kodex ist Compliance, ein Schulungsprogramm für Lieferanten ist Management.

Vorgehen: Gap-Analyse entlang der EcoVadis-Logik

Im ersten Schritt haben wir jede abgelehnte Frage in die drei EcoVadis-Ebenen zerlegt: Richtlinie, Maßnahme, Ergebnis. Für jede Ebene wurde geprüft, was im Unternehmen bereits existiert, aber nicht dokumentiert ist, was existiert und falsch belegt wurde und was tatsächlich fehlt. Das Ergebnis war ernüchternd und ermutigend zugleich: Rund zwei Drittel der Lücken waren Dokumentationslücken. Das Unternehmen verfügte über eine Verfahrensanweisung für Lieferantenaudits vor Ort, einen Lieferantenfragebogen, Supplier Scorecards, einen Verhaltenskodex und eine Konfliktmineralien-Richtlinie mit quantifizierten Zielen – CMRT-Abdeckung 100 % bis 2027, 95 % konforme Lieferanten, Auditquote 20 %, Schulungsquote 100 %. Was fehlte, war der Report, der diese Ziele gegen den Ist-Stand ausweist.

Im zweiten Schritt haben wir öffentlich zugängliche Praxis vergleichbarer Hersteller ausgewertet: Rücknahmeprogramme, Recyclingpartnerschaften und Schulungsangebote führender Reinigungsgerätehersteller dienten als Referenz dafür, welches Niveau EcoVadis-Analysten in dieser Branche als Stand der Technik ansehen. Im dritten Schritt wurden die Maßnahmen priorisiert nach Punktwirkung in der Scorecard und Umsetzbarkeit bis zur nächsten Neubewertung.

Lösung: Produktlebensende und Beschaffung

Produktlebensende: Vom Gebührenbescheid zum Sammelsystem

  1. 01

    Rücknahmepartner dokumentieren

    Bestehende Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Entsorgungs- und Recyclingpartner vertraglich und prozessual beschrieben: Annahme, Transport, Demontage, Verwertungsquoten je Fraktion.

  2. 02

    Sammelsystem für Altgeräte aufsetzen

    Rückgabeweg über Fachhandel und Direktkunden mit Rücksendeetikett, Sammelbehältern bei Großkunden und Abholung ab definierter Menge; Kommunikation in Preisliste, Website und Bedienungsanleitung.

  3. 03

    Kennzahlen definieren

    Rückläufermengen in Stück und Kilogramm, Verwertungsquote, Anteil wiederverwendeter Ersatzteile, Ersatzteilverfügbarkeit in Jahren – jährlich erhoben und in den GRI-Bericht aufgenommen.

  4. 04

    Design-for-Recycling verankern

    Rezyklatanteil, Demontierbarkeit und Materialkennzeichnung als Kriterien in die Entwicklungsrichtlinie aufgenommen; Vorbereitung auf die Anforderungen der Ökodesign-Verordnung.

Beschaffung: Vorhandenes sichtbar machen, Fehlendes ergänzen

Für den Konfliktmineralien-Report haben wir die bestehende Richtlinie um einen jährlichen Berichtsteil ergänzt: Anzahl der relevanten Lieferanten mit Elektronik, Motoren und Lötverbindungen, Anteil mit zurückgemeldetem CMRT, Anteil der identifizierten Schmelzen auf der RMI-Konformitätsliste, offene Fälle und Maßnahmen. Für den Kapazitätsaufbau bei Lieferanten wurde das vorhandene Audit- und Fragebogenverfahren um ein Schulungs- und Entwicklungsangebot ergänzt, das bei Abweichungen greift und dokumentiert wird. Ziele für Einkäufer wurden in die Zielvereinbarungen aufgenommen: CMRT-Rücklauf, Kodex-Unterzeichnung, Auditquote. Die inklusive Beschaffung wurde über eine Richtlinie zur Berücksichtigung regionaler Lieferanten, Werkstätten für Menschen mit Behinderung und kleiner Betriebe mit Kennzahl zum Beschaffungsvolumen abgedeckt.

Abgelehnte Fragen und Nachbesserung im Überblick
EcoVadis-ThemaAbgelehnte FrageNachbesserung
UmweltMaßnahmen zum ProduktlebensendeRücknahmepartner dokumentiert, Sammelsystem eingeführt, Kommunikation an Kunden
UmweltKennzahlen Produktlebensende und -verwendungRückläufermengen, Verwertungsquote, Ersatzteilverfügbarkeit, Energieverbrauch Produktgeneration
Nachhaltige BeschaffungKapazitätsaufbau bei LieferantenSchulungs- und Entwicklungsprogramm bei Auditabweichungen, dokumentiert
Nachhaltige BeschaffungZiele für EinkäuferNachhaltigkeitsziele in Zielvereinbarungen des Einkaufs
Nachhaltige BeschaffungInklusive BeschaffungRichtlinie und Kennzahl zu regionalen, inklusiven und kleinen Lieferanten
Nachhaltige BeschaffungBeschaffungskennzahlenAnteil Lieferanten mit Kodex, Auditquote, CMRT-Abdeckung als Jahreskennzahlen
Nachhaltige BeschaffungKonfliktmineralien-ReportJährlicher Report mit CMRT-Abdeckung, Schmelzenstatus und Zielerreichung

Ergebnis und Übertragbarkeit

Der Aufwand lag bei rund zehn Beratertagen über drei Monate plus internem Aufwand von Einkauf, Qualitätsmanagement und Service. Zwei Drittel davon entfielen auf Strukturierung und Dokumentation vorhandener Praxis, ein Drittel auf neue Prozesse. Die Nachweise sind so aufgebaut, dass sie jährlich mit geringem Aufwand fortgeschrieben werden – als Kennzahlenblatt für EcoVadis, Kapitel im GRI-Bericht und Antwort für Kundenportale zugleich. Nach unserer Erfahrung liegt die Verbesserung bei konsequent nachgebesserten Themen häufig bei fünf bis fünfzehn Punkten im jeweiligen Thema; ein bestimmtes Ergebnis lässt sich nicht zusagen, zumal die Medaillenstufe zusätzlich von der fortlaufend neu berechneten Perzentilgrenze abhängt.

Übertragbar ist der Fall auf jeden Hersteller elektrischer Geräte und auf jeden Zulieferer mit internationaler Komponentenlieferkette. Die Lehre ist dieselbe: EcoVadis honoriert nicht die gesetzliche Pflichterfüllung, sondern das dokumentierte System aus Richtlinie, Maßnahme und Kennzahl. Was Sie davon bereits haben und wo Lücken sind, zeigt Ihnen die Checkliste.

Abgelehnte EcoVadis-Fragen nachbessern

Senden Sie uns Ihre Scorecard. Wir zeigen innerhalb einer Woche, welche abgelehnten Fragen Dokumentationslücken sind und welche neue Prozesse brauchen – und was bis zur nächsten Neubewertung realistisch ist.

Lieferanten-Check anfragen
Häufige Fragen

Praxisbeispiel: Ihre Fragen

Weil EcoVadis Managementsysteme bewertet, nicht Rechtskonformität. Ein ear-Gebührenbescheid belegt die Registrierung nach ElektroG, aber nicht, dass Sie das Produktlebensende steuern. Analysten suchen je Kriterium eine Richtlinie, konkrete Maßnahmen und Kennzahlen mit Trend. Dokumente, die nur eine dieser Ebenen abdecken oder die Frage nicht direkt adressieren, werden als nicht ausreichend eingestuft.

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