CO₂-Bilanz Weingut – Weinbau & Lebensmittelproduktion
CO₂-Bilanz

CO₂-Bilanz Weingut: Von der Glasflasche bis zum Dampfkessel

Die CO₂-Bilanz im Weingut wird von der Glasflasche dominiert, die eines Lebensmittelherstellers von Prozesswärme und Rohstoffen. Wer beides in einer methodisch sauberen Unternehmensbilanz und einem Product Carbon Footprint pro Artikel abbildet, kann die Anfragen des Handels beantworten und Maßnahmen priorisieren. Diese Seite zeigt Emissionsquellen, Datenquellen und Benchmarks.

CO₂-Bilanz Weingut: Wo die Emissionen entstehen

Der Treibhausgas-Fußabdruck einer Flasche Wein ist gut untersucht. Eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung (IFEU) für Rheinhessenwein (2012, Bezugsjahr 2010) kam für einen typischen Lebensweg auf rund 0,9 kg CO₂-Äquivalente je Liter beim Endkunden, davon etwa 48 % für die 0,75-Liter-Einwegglasflasche. Der Weinbau einschließlich Neuanlage lag je nach Bewirtschaftung und Qualitätsstufe bei 0,11 bis 0,33 kg je Liter, die Kellerei im ungünstigsten Fall bei über 0,2 kg; Distribution und Einkauf machten im Standardfall rund 15 % aus. Die Produktion bis zum Betriebstor streute über alle Szenarien zwischen 0,3 und 1,3 kg je Liter. Das Deutsche Weininstitut nennt für die Flasche einen Anteil von rund 45 % am Fußabdruck. Diese Spannen decken sich mit dem, was wir in Projekten vorfinden.

Typische Emissionsquellen eines Weinguts nach Scopes (Zuordnung nach GHG Protocol)
ScopeQuelleDatenbasis im BetriebErfahrungswert Anteil
Scope 1Diesel Traktoren, Pflanzenschutz- und LesemaschinenTankbelege, Betriebsstunden5–12 %
Scope 1Lachgas aus Stickstoffdüngung, KalkungDüngebedarfsermittlung, Lieferscheine3–10 %
Scope 1Erdgas/Heizöl für Warmwasser, Heizung, MaischeerwärmungAbrechnungen2–8 %
Scope 1Kältemittelverluste (Gärsteuerung, Kühlräume)Wartungsprotokolle0–5 %
Scope 2Strom für Kühlung, Pressen, Pumpen, AbfüllungStromrechnung, Zählerstände8–20 %
Scope 3Glasflaschen, Verschlüsse, Kapseln, Kartons, EtikettenEinkaufsmengen, Flaschengewicht40–55 %
Scope 3Zugekaufte Trauben oder Most, Hilfsstoffe, HefenLieferscheine0–20 %
Scope 3Transport zum Kunden, Dienstreisen, PendelnFrachtbriefe, Kilometer5–15 %

Die Spannen in der rechten Spalte sind Erfahrungswerte aus unseren Projekten und aus den genannten Studien, keine Normwerte. Sie verschieben sich mit zwei Stellgrößen: dem Flaschengewicht und dem Strombezug. Ein Weingut mit 700-Gramm-Flaschen für Lagenweine und Netzstrom hat einen anderen Fußabdruck als eines mit 400-Gramm-Leichtglas und eigener PV-Anlage. Beide Betriebe können im Weinberg identisch arbeiten.

Emissionsquellen in der Lebensmittelproduktion

In der Verarbeitung dreht sich das Bild. Bei einem Konservenhersteller, einer Fruchtsaftkelterei oder einer Fleischverarbeitung stehen Prozesswärme und Rohstoffe vorn. Prozessdampf aus Erdgas oder Heizöl für Blanchieren, Kochen, Sterilisieren, Pasteurisieren und Reinigung macht in unseren Projekten häufig 50 bis 70 % der Scope-1- und Scope-2-Emissionen aus; in einer Konservenfabrik, die wir begleitet haben, lag das Verhältnis von Dampf- zu Stromenergie bei etwa 9 zu 1. Kältetechnik für Kühlhäuser und Tiefkühlung folgt mit Strombedarf und Kältemittelverlusten; teilfluorierte Kältemittel wie R404A haben ein Treibhauspotenzial von mehreren tausend, so dass wenige Kilogramm Leckage die Bilanz spürbar belasten. Druckluft, Beleuchtung und Fuhrpark sind nachgeordnet.

In Scope 3 dominieren die Rohstoffe. Landwirtschaftliche Erzeugnisse bringen die Emissionen aus Düngung, Landnutzung und bei tierischen Produkten aus der Verdauung mit. Für Fleisch- und Milchverarbeiter übersteigt der Rohstoffanteil die eigene Produktion oft um ein Vielfaches; bei pflanzlichen Konserven und Säften liegt er näher an den Verpackungsemissionen. Glas, Weißblech, Aluminium und Kunststoff sind die zweite große Position, der Transport zu den Zentrallagern des Handels die dritte.

Datenquellen und Emissionsfaktoren

Eine belastbare CO₂-Bilanz steht auf drei Datensäulen. Erstens die Verbrauchsdaten des Betriebs: Strom- und Gasabrechnungen, Tankbelege, Kältemittel-Wartungsprotokolle, Düngemittel-Lieferscheine, Einkaufsmengen für Flaschen, Verschlüsse und Kartons, Frachtbriefe. Zweitens die Emissionsfaktoren: Für Strom und Brennstoffe nutzen wir die aktuellen Faktoren des Umweltbundesamts (UBA), für Vorketten und Verpackungsmaterialien die Datenbanken GEMIS und ecoinvent, für Stickstoffdünger die Standardfaktoren des IPCC, nach denen rund 1 % des ausgebrachten Stickstoffs direkt als Lachgas entweicht, zuzüglich indirekter Anteile über Auswaschung und Deposition. Drittens die Methodik: GHG Protocol Corporate Standard oder ISO 14064-1 für die Unternehmensbilanz, ISO 14067 für den Product Carbon Footprint.

Product Carbon Footprint pro Flasche nach ISO 14067

Der Handel fragt zunehmend nicht nach der Unternehmensbilanz, sondern nach dem Fußabdruck je Artikel, weil er diesen in seine Scope-3-Bilanz übernimmt. ISO 14067 legt fest, wie Systemgrenzen (cradle-to-gate oder cradle-to-grave), funktionelle Einheit (0,75-Liter-Flasche, 1 Liter Saft, 1 Kilogramm Konserve) und Allokation festgelegt werden. Für ein Weingut heißt das: Die Unternehmensbilanz wird über die abgefüllte Menge auf die Flasche umgelegt, Rebflächenneuanlagen werden über die Nutzungsdauer verteilt, Trester und Hefetrub als Nebenprodukte allokiert. Für ein Lebensmittelwerk mit vielen Artikeln ist die Allokation des Dampfs auf Produktlinien die anspruchsvollste Aufgabe und verlangt meist Messungen oder Betriebsstundenmodelle je Anlage.

Erfahrungswert aus Projekten

Die größte Datenlücke in Lebensmittelwerken ist regelmäßig der Dampfkessel: kein Typenschild, kein eigener Gaszähler, unbekannte Betriebsstunden. Wir arbeiten dann mit Kesselleistung, Brennstoffrechnungen und Produktionsmengen und kennzeichnen den Schätzanteil transparent. Im Weingut ist es das Flaschengewicht je Artikel, das sich mit einer Küchenwaage und der Artikelliste in einem Nachmittag erheben lässt.

Benchmarks: Wie Sie Ihre Zahlen einordnen

  • Flasche Wein 0,75 l, cradle-to-gate: 0,3 bis 1,0 kg CO₂e je Flasche, abhängig von Flaschengewicht, Strombezug und Kellertechnik (abgeleitet aus IFEU und eigenen Projekten).
  • Flaschengewicht: Leichtglas ab rund 390 g, Standardflaschen typischerweise 450 bis 550 g, schwere Premiumflaschen 700 bis 900 g; jede 100 g Glas entsprechen in der Größenordnung 60 bis 90 g CO₂e je Flasche.
  • Weinbau je Hektar: 1,5 bis 3,5 t CO₂e je Hektar und Jahr aus Diesel, Düngung, Pflanzenschutz und Material; Begrünung und Humusaufbau können einen Teil davon im Boden binden.
  • Lebensmittelwerk, Scope 1 und 2 je Tonne Produkt: 0,1 bis 0,4 t CO₂e je Tonne bei pflanzlichen Konserven und Säften, deutlich höher bei Tiefkühlung und Fleisch (Erfahrungswerte).
  • Stromanteil: Mit eigener PV-Anlage und Ökostromvertrag sinkt Scope 2 marktbasiert auf nahe null; die standortbasierte Bilanz mit UBA-Strommix bleibt zum Vergleich.

Die Zahlen sind Orientierungsspannen, keine Zielwerte. Entscheidend ist, dass Ihre Bilanz dieselben Systemgrenzen verwendet wie die Anfrage des Händlers oder des Zertifizierers, sonst wird verglichen, was nicht vergleichbar ist. Wir dokumentieren jede Bilanz so, dass ein Dritter die Rechnung nachvollziehen kann: Datenquelle, Faktor, Quelle des Faktors, Unsicherheit.

CO₂-Bilanz für Ihren Betrieb

Unternehmensbilanz nach GHG Protocol und Product Carbon Footprint pro Flasche oder Artikel, passend zu den Lieferantenportalen des Handels. Die Förderfähigkeit über BAFA oder Länderprogramme prüfen wir vorab.

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Häufige Fragen

CO₂-Bilanz: Ihre Fragen

Studien wie die IFEU-Untersuchung für Rheinhessenwein nennen rund 0,9 kg CO₂e je Liter beim Endkunden, also etwa 0,7 kg je 0,75-Liter-Flasche, wovon knapp die Hälfte auf die Glasflasche entfällt. Je nach Flaschengewicht, Strombezug und Transportweg streut der Wert erheblich; cradle-to-gate liegen die meisten Betriebe zwischen 0,3 und 1,0 kg je Flasche.

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