Praxisbeispiel Nachhaltigkeit Weingut – Weinbau & Lebensmittelproduktion
Praxisbeispiel

Praxisbeispiel Nachhaltigkeit Weingut und Konservenfabrik

Ein Praxisbeispiel zur Nachhaltigkeit im Weingut und eines aus der Lebensmittelproduktion zeigen, wie unterschiedlich die Hebel liegen. Wir dürfen das Landesweingut Kloster Pforta als Referenz nennen und beschreiben am Beispiel des Anbaugebiets Saale-Unstrut unser Vorgehen bei Weingütern dieser Größe; das zweite Beispiel, eine Konservenfabrik mit dampfbasierter Prozesswärme, beschreiben wir anonymisiert. Alle Zahlen sind Spannen.

Praxisbeispiel Weingut: Nachhaltigkeit an Saale-Unstrut

Das Anbaugebiet Saale-Unstrut umfasst rund 870 Hektar, überwiegend in Sachsen-Anhalt, mit einigen Flächen in Thüringen und Brandenburg. Es ist von Steillagen, Trockenmauern, Nebenerwerbswinzern und der Genossenschaftskellerei in Freyburg geprägt. Das Landesweingut Kloster Pforta gehört zu den größeren Weingütern der Region. Wir dürfen das Landesweingut als Referenz nennen; die folgende Beschreibung ist kein Projektbericht, sondern zeigt anhand der Region das Vorgehen, das wir bei Weingütern dieser Größe anwenden.

Ausgangslage

Weingüter mit 30 bis 60 Hektar, eigener Kellerei und mehreren Absatzkanälen stehen typischerweise vor derselben Konstellation: Der Fachhandel und einzelne Handelsketten fragen nach Nachhaltigkeitsdaten, eine Zertifizierung wird erwogen, die Energiekosten der Kellerei sind gestiegen, und die Flaschenpolitik ist historisch gewachsen mit mehreren Gewichten je Linie. Daten liegen verteilt vor: Stromrechnungen in der Buchhaltung, Flaschenbestellungen im Einkauf, Pflanzenschutzdokumentation beim Außenbetrieb, Düngung in der Schlagkartei. Eine Gesamtbilanz existiert nicht.

Vorgehen

  1. 01

    Datenerhebung in vier Wochen

    Zusammenführung von Energie-, Einkaufs-, Flächen- und Produktionsdaten eines Jahrgangs. Wiegen aller Flaschentypen und Verschlüsse. Abgleich der Düngemengen mit der Düngebedarfsermittlung.

  2. 02

    CO₂-Bilanz und Fußabdruck je Flasche

    Unternehmensbilanz nach GHG Protocol mit UBA-, GEMIS- und ecoinvent-Faktoren, Umlage auf die abgefüllten Flaschen nach ISO 14067, getrennt nach Produktlinien mit unterschiedlichen Flaschengewichten.

  3. 03

    Maßnahmenworkshop mit Kellermeister und Außenbetrieb

    Bewertung von Leichtglas je Linie, Kälteoptimierung, PV-Dimensionierung, Begrünungsstrategie, Tourenplanung. Priorisierung nach CO₂-Wirkung, Amortisation und Förderfähigkeit.

  4. 04

    Kennzahlenstruktur für Handel und Zertifizierung

    Übergabe eines Rechenmodells und eines Kennzahlenblatts, das Fragebögen des Handels und Kriterien von FAIR'N GREEN oder Bio-Verbänden gleichzeitig bedient.

Typische Ergebnisse als Spannen

  • Fußabdruck je 0,75-Liter-Flasche cradle-to-gate: typischerweise 0,45 bis 0,85 kg CO₂e je nach Linie; die Unterschiede gehen überwiegend auf das Flaschengewicht zurück.
  • Anteil der Verpackung an der Gesamtbilanz: meist 40 bis 50 %, Strom für Kellerei und Kühlung 10 bis 20 %, Weinberg mit Diesel, Düngung und Pflanzenschutz 15 bis 25 %, Transport und Sonstiges der Rest.
  • Reduktionspotenzial ohne Investition (Leichtglas auf allen Linien unterhalb Premium, Ökostrom, Tourenplanung): häufig 20 bis 30 % der Gesamtbilanz.
  • Reduktionspotenzial mit Investitionen (PV, Kälteanlage, Wärmepumpe): weitere 10 bis 20 %, Amortisation fünf bis zehn Jahre, mit Förderung darunter.
  • Zeitaufwand im Betrieb: 4 bis 6 Personentage für die Datenerhebung im ersten Jahr, danach 1 bis 2 Tage je Folgejahr mit dem übergebenen Modell.

Übertragbar ist vor allem die Reihenfolge: erst Flaschengewichte und Energiedaten erheben, dann bilanzieren, dann entscheiden. Weingüter, die mit der Zertifizierungsfrage beginnen, verbringen in unserer Erfahrung Monate mit Kriterienkatalogen, bevor sie wissen, wo ihre Emissionen liegen. Wer mit der Bilanz beginnt, beantwortet den Kriterienkatalog anschließend aus vorhandenen Daten.

Praxisbeispiel Lebensmittelproduktion: Konservenfabrik mit Dampfkessel

Ausgangslage

Eine mittelständische Konservenfabrik mit Abfüll- und Reinigungslinie, deren Anlagenpark über mehrere Jahrzehnte gewachsen ist: ältere und neuere Kochanlagen, eine Flaschenwaschmaschine, Behältertechnik und zahlreiche elektrische Nebenaggregate. Die Prozesswärme kommt aus einem Dampfkessel ohne eigenen Brennstoffzähler und ohne Betriebsstundenerfassung. Anlass der Beratung war eine Bewertung des Maschinenparks, aus der die Frage nach Energieträgern und CO₂ je Anlage entstand.

Vorgehen

Wir haben zunächst ein Anlagenverzeichnis aus Typenschildern, Baujahren, Anschlussleistungen und Dampfanschlüssen aufgebaut und jede Anlage einem Energieträger zugeordnet. Für die Dampfseite fehlten die direkten Daten; wir haben deshalb aus Brennstoffrechnungen, Produktionsmengen und typischen Dampfbedarfen je Prozessschritt eine Modellrechnung aufgebaut und den Schätzanteil ausgewiesen. Ergebnis der Energieträger-Analyse: Dampf dominiert den Endenergiebedarf gegenüber Strom in einem Verhältnis von etwa 9 zu 1. Daraus folgte eine Bewertungsmatrix je Anlage mit Restnutzungsdauer, Energieintensität und CO₂-Anteil sowie eine Reihenfolge für Investitionen.

Ergebnisstruktur Konservenfabrik (anonymisiert, Spannen)
BereichBefundEmpfehlungErwartete Wirkung
DampfkesselGrößte Datenlücke, vermutlich Jahresnutzungsgrad 70–80 %Zähler nachrüsten, Betriebsstunden erfassen, dann Economiser oder Ersatz prüfen4–8 % Brennstoff durch Economiser; 15–30 % durch Ersatz
Dampfnetz und KondensatLeitungen teilweise ungedämmt, Kondensat nicht vollständig zurückgeführtDämmung, Kondensatrückführung, Leckagesuche5–15 % Brennstoff, Amortisation 1–3 Jahre
Ältere KochanlagenHoher Dampfbedarf, geringe Regelbarkeit, ErsatzteilrisikoErsatz in Stufe 2 nach Kesselentscheidung10–20 % Dampf je Prozessschritt
FlaschenwaschmaschineHoher Warmwasser- und LaugenbedarfAbwärmenutzung aus Kondensat, Laugenstandzeit optimieren10–25 % Wärme Reinigung
NebenaggregateViele kleine Antriebe, meist ungeregeltDrehzahlregelung, Abschaltlogik, LED5–10 % Strom

Die wichtigste Erkenntnis war nicht technischer, sondern organisatorischer Natur: Ohne Messung am Kessel bleibt jede Investitionsentscheidung eine Schätzung. Deshalb stand an erster Stelle der Empfehlungen ein Brennstoffzähler und eine Betriebsstundenerfassung, gefolgt von einem EEW-Transformationsplan in Modul 5, der den Kesselersatz oder die Elektrifizierung mit einer Förderquote von 40 bis 60 % für die Planung und anschließend Modul 2 oder 4 für die Investition vorbereitet.

Was beide Fälle gemeinsam haben

In beiden Fällen liegt der größte Hebel typischerweise an einer Stelle, die vor der Analyse kaum jemand als Nachhaltigkeitsthema betrachtet: im Weingut die Flaschenbestellung des Einkaufs, in der Konservenfabrik der Dampfkessel ohne Zähler. Nachhaltigkeitsberatung in dieser Branche beginnt mit Wiegen und Zählen, nicht mit Leitbildern.

Ihr Betrieb als nächstes Beispiel

Ob Weingut, Kellerei oder Lebensmittelwerk: Wir beginnen mit Ihren Daten und sagen Ihnen nach dem Erstgespräch, wo Ihr größter Hebel liegt.

Weingut-Check anfragen
Häufige Fragen

Praxisbeispiel: Ihre Fragen

Von der Datensammlung bis zum Maßnahmenplan rechnen wir mit acht bis zwölf Wochen, abhängig davon, wie schnell Energie-, Einkaufs- und Flächendaten vorliegen. Der Betrieb selbst investiert im ersten Jahr vier bis sechs Personentage, vor allem für das Zusammentragen der Unterlagen und den Workshop.

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Kostenloses Erstgespräch – wir analysieren Ihre aktuelle Situation und zeigen Ihnen, welche Schritte jetzt die größte Wirkung haben. Für KMU ist je nach Region eine BAFA-Förderung von 50 oder 80 % möglich.